Wiener Frauenpreis gegen Hass im Netz geht an #aufstehn

6. Dezember 2016, 19:01
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Die Kampagnen ihrer NGO würden als "Gegengewicht zu Hasspostings" fungieren, so das Juryurteil: Maria Mayrhofer bekommt den 15. Wiener Frauenpreis

Wien – Dienstagabend wurde der 15. Wiener Frauenpreis vergeben. Eine dreiköpfige Jury kürte die Preisträgerinnen in den Bereichen "Frauengesundheit" und "Hass im Netz".

Letztgenannter Preis ging an Maria Mayrhofer, die Politologin ist Geschäftsführerin der NGO #aufstehn, die sich laut Eigenbeschreibung "für ein positives Miteinander im Internet und gegen Hass und sexualisierte Gewalt im Netz" einsetzt. "#aufstehn ist eine neue Form der zivilgesellschaftlichen Kampagnenorganisation: Wir sind eine wachsende Community engagierter Menschen, die sich für progressive Politik, soziale und ökonomische Fairness und ökologische Verantwortung einsetzt", heißt es auf der Homepage.

Preis für Gegengewicht zu Hasspostings

Auch Männer bekommen Hasspostings und werden Opfer von Shitstorms im Internet. Richten sich die Aggressionen gegen Frauen, kommt allerdings ein spezieller Unterton dazu: "Viele der Hasspostings sind sexuell konnotiert und damit sexualisierte Gewalt, der Frauen von einer kleinen, aber sehr lauten Gruppe im Netz ausgesetzt sind", heißt es in der Jurybegründung. Jede Frau in einer solchen Situation könne Hilfe und Solidarität gut gebrauchen.

Diese Unterstützung biete die NGO #aufstehn: Das Team thematisiert Hass und sexualisierte Gewalt im Netz und habe so mitgeholfen, dies zur öffentlich diskutierten Agenda zu machen und Politikerinnen und Politiker zum Handeln zu bewegen. "Die Aktion #solidaritystorm war ein Beispiel einer digitalisierten Kampagne, um im Internet ein Gegengewicht zu Hasspostings zu schaffen", so die Begründung.

Maria Mayrhofer leitet das #aufstehn-Team. Als Geschäftsführerin plant und koordiniert sie Kampagnen, schmiedet Koalitionen und versucht, im Netz zu mobilisieren.

Forschung gegen "Supermarkt-Schönheitschirurgie"

Die Auszeichnung im Bereich Frauengesundheit erging an Beate Wimmer-Puchinger. Die Psychologin forschte schon früh im Bereich Geburtenregelung und Schwangerenbetreuung, baute an der Semmelweis-Frauenklinik eine psychosomatische Ambulanz und Österreichs erstes Frauengesundheitszentraum auf. Wimmer-Puchinger erstellte den ersten Wiener Frauengesundheitsbericht, in dessen Folge das Wiener Frauengesundheitsprogramm erarbeitet wurde. 1999 wurde Wimmer-Puchinger Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt, um das Programm umzusetzen. Sie blieb in dieser Funktion bis zum Jahr 2015.

"Mit großem Engagement forschte, informierte und entwickelte sie Programme zu Essstörungen, gegen mediale Schönheitsideale und die Supermarkt-Schönheitschirurgie, zu postnatalen Depressionen, Brustkrebsscreening, Gewalt gegen Frauen, weiblicher Genitalverstümmelung, Gesundheitsförderung für sozial benachteiligte Frauen oder Schulungen für das Spitalspersonal zur Früherkennung von häuslicher Gewalt", begründete die Jury ihre Entscheidung.

"Die Preisträgerinnen des Wiener Frauenpreises haben eine wichtige gesellschaftliche Vorbildfunktion, denn sie machen Frauen Mut, Rollenbilder zu durchbrechen", erklärte die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ). Der Wiener Frauenpreis ist mit 3.000 Euro und einem künstlerischen Werk dotiert. Die aktuelle Statue trägt den Namen "Tarantella" und wurde von der Künstlerin Ulrike Truger gestaltet. (Oona Kroisleitner, 6.12.2016)

  • Maria Mayrhofer leitet das #aufstehn-Team und erhielt den Wiener Frauenpreis gegen Hass im Netz.
    foto: pid/kromus.

    Maria Mayrhofer leitet das #aufstehn-Team und erhielt den Wiener Frauenpreis gegen Hass im Netz.

  • Beate Wimmer-Puchinger erhielt den Preis für ihre Arbeit im Bereich Frauengesundheit.
    foto: pid/kromus

    Beate Wimmer-Puchinger erhielt den Preis für ihre Arbeit im Bereich Frauengesundheit.

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