Lungenmetastasen nutzen vorhandene Blutgefäße für ihre Versorgung

6. Dezember 2016, 13:17
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Wissenschafter entdeckten neue Charakteristika von Tochtergeschwülsten und damit einen möglichen Ansatz, warum Anti-Angiogenesetherapie nicht wirkt

Wien – Im fortgeschrittenem Stadium von Brust-, Darm- und Nierenkrebs kommt es häufig zur Bildung von Lungenmetastasen. Ein internationales Autorenteam mit Wiener Beteiligung hat jetzt beweisen können, dass diese Tochtergeschwülste offenbar in der Lunge bereits vorhandene Blutgefäße für ihre Versorgung und ihr Wachstum nutzen. Die Studie ist vor kurzem im "Journal of Pathology" erschienen.

An sich benötigen Tumoren, aber auch Metastasen, bei ihrem Wachstum wegen ihres enormen Energie- und Sauerstoffbedarfs auch das Wachstum von sie versorgenden Blutgefäßen. Deshalb wurden vor Jahren bereits vor allem monoklonale Antikörper als Krebstherapeutika entwickelt, die diese Angiogenese unterdrücken sollen. Bei Lungenmetastasen aber wirkten sie kaum.

Das Wissenschafterteam mit Experten aus Österreich, Großbritannien, Belgien und Ungarn analysierte Gewebeproben von 164 Lungenmetastasen von Krebspatienten, die an Brust-, Nieren-, oder Darmkarzinomen erkrankt sind. Dabei stellte sich heraus, dass bei 80 Prozent der Gewebeproben die bösartigen Zellen in der Lunge bereits vorhandene Blutgefäße für ihre Zwecke umfunktionierten und offenbar neue Blutgefäße im Laufe ihres Wachstums der Metastasen kaum entstanden waren.

Blutversorgung kappen

"Unsere Forschungen helfen das Faktum zu erklären, dass Arzneimittel, die zur Blockierung der Angiogenese entwickelt worden waren, in der Behandlung von Patienten mit Lungenmetastasen relativ unwirksam sind", wurde Andrew Reynolds vom Institute of Cancer Research in London und einer der Hauptautoren zitiert.

Zweiter Hauptautor war Balazs Dome, Leiter des Programms für Translationale-Thorax-Onkologie der MedUni Wien am AKH. Er machte auf die möglichen Konsequenzen der neuen Erkenntnisse aufmerksam: Das Vorhandensein der verschiedenen Alternativen, wie Metastasen offenbar ihre Blutversorgung sicherstellen könnten, sollte zur Entwicklung von Therapien führen, die alle diese Mechanismen unterdrücken könnten – also die Neubildung und das Kapern von bereits vorhandenen Blutgefäßen durch die Krebszellen.

Insgesamt, so die Experten, sollten Forschungsarbeiten zur Aufhellung der Mechanismen, welche bösartige Zellen benutzen, um sich im Körper auszubreiten und andere Organe zu besiedeln, intensiviert werden. Dazu gehörten auch Studien, um das Entstehen der Blutversorgung von Tumoren und deren Metastasen in allen Facetten zu verstehen. (APA, 6.12.2016)

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