Stimme für Van der Bellen: Thurnher prüft Klage wegen Postings

    6. Dezember 2016, 12:17
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    Kärntner FPÖ-Politiker hatte die "Botschaft" auf seiner Seite geteilt – ORF könnte rechtliche Schritte in die Wege leiten

    Wien – "Der ORF ist genauso parteiunabhängig wie Van der Bellen! Darum wähle ich Van der Bellen, weil mir ein parteiunabhängiger ORF wichtig ist": Mit dieser Botschaft wird ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher in einem Fake-Posting auf Facebook zitiert. Vor der Bundespräsidentenwahl am Sonntag zirkulierte es in sozialen Medien. Die ORF-Moderatorin steht nicht zum ersten Mal im Visier freiheitlicher Politiker, sie erwägt jetzt eine Klage. Thurnher hatte am Donnerstag vor der Wahl das letzte Fernsehduell zwischen Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer moderiert.

    Harald Trettenbrein, FPÖ-Landtagsabgeordneter in Kärnten, verbreitete das Posting am Wochenende auf seiner Facebook-Seite, die knapp 5.000 "Freunde" zählt, mit dem Zusatz: "Die Volks Verarschung (sic!) geht weiter." Was Thurnher bereits auf Twitter ankündigte, wird derzeit von der ORF-Rechtsabteilung unter die Lupe genommen, bestätigte die ORF-Moderatorin dem STANDARD: "Klage und rechtliche Schritte werden gerade geprüft."

    Wer der Urheber des Postings ist, werde derzeit eruiert. FPÖ-Politiker Trettenbrein sagte zum STANDARD, dass er es von der Facebook-Seite "GIS Gebühren. Nein Danke" übernommen habe, wo es noch immer zu finden ist und mittlerweile 209-mal geteilt wurde. Sein Fehler sei gewesen, auf den Zusatz "Satire" verzichtet zu haben. Ob er der Meinung war, dass das Zitat authentisch sei? "Nein. Es war mir schon klar, dass das Satire ist." Nach Thurnhers Kritik habe er das Posting auch wieder gelöscht: "Für mich ist das damit erledigt."

    Dass es zu einer Klage kommen wird, glaubt er nicht. Schließlich sei er nicht der Urheber gewesen, er habe das Posting nur geteilt. Sollten tatsächlich rechtliche Schritte in die Wege geleitet werden, möchte er sich entschuldigen, aber: "Wenn das klagbar ist, könnte ich täglich klagen." Warum? Weil er oft als Nazi bezeichnet werde.

    Thurnher wurde bereits im Mai zur Zielscheibe von Hasspostings auf Facebook-Seiten freiheitlicher Politiker. Beim TV-Duell zur Stichwahl konfrontierte sie Norbert Hofer mit dessen Darstellung einer Israel-Reise. Was folgte, waren Beleidigungen, Beschimpfungen und Drohungen. Die Rechtsabteilung des ORF hatte eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien übermittelt. (Oliver Mark, 6.12.2016)

    • ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher wehrt sich gegen Falschmeldungen.
      foto: orf/thomas ramstorfer

      ORF-Moderatorin Ingrid Thurnher wehrt sich gegen Falschmeldungen.

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