Amnesty prangert massenhafte Vertreibung von Kurden in Türkei an

6. Dezember 2016, 05:58
51 Postings

Menschenrechtsorganisation fordert Aufhebung von Ausgangssperren und Entschädigung

Diyarbakir/London – Die massive Repression durch Sicherheitskräfte in den Kurdengebieten im Südosten der Türkei habe rund eine halbe Million Menschen in die Flucht getrieben, prangert Amnesty International in einem neuen Bericht an. Der Bericht thematisiert die Situation vertriebener Familien aus dem kurdisch besiedelten Sur, einem Stadtbezirk von Diyarbakır im Südosten der Türkei.

Zehntausend Bewohner, die aus Sicherheitsgründen vertrieben wurden, können nicht in ihre Heimat zurückkehren, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht. "Während die Unterdrückung von Medien und der Zivilgesellschaft einige Beachtung gefunden hat, ist das Schicksal der vielen Menschen, die unter dem Vorwand der Sicherheit ihre Häuser verlassen mussten, weitgehend unbeachtet geblieben", kritisiert John Dalhuisen, Europa-Direktor der Menschenrechtsorganisation.

Ausgangssperre soll weiter gelten

Bis zum Juli 2015 soll Sur von der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) selbstverwaltet worden sein. Nach Zusammenstößen mit türkischen Sicherheitskräften soll es zu großangelegten Militäroperationen der Sicherheitskräfte gekommen sein, die zeitlich unbegrenzte Ausgangssperren verhängten. Nach Angaben von Amnesty sollen die Ausgangssperren auch nach dem Ende der Kämpfe im März 2016 weiterhin gelten. Bewohner, die nach Sur zurückkehren wollten, sollen vollständig zerstörte Häuser vorgefunden haben oder von Sicherheitskräften eingeschüchtert worden sein.

Amnesty zufolge sehen die Vertriebenen eine bewusste Vertreibung für den Bau eines "städtischen Entwicklungsprojekts". Laut der Menschenrechtsorganisation gibt es ähnliche Projekte in weiteren Orten im Südosten der Türkei, bei denen Bewohner dauerhaft vertrieben werden. Angesichts dieser Situation fordert Amnesty die Aufhebung der Ausgangssperren, Möglichkeiten für die Bevölkerung, in Ersatzunterkünfte zu ziehen, oder eine Entschädigung für den Verlust ihrer Wohnungen. (APA, 6.12.2016)

  • Kurden demonstrieren in Istanbul.
    foto: apa/afp/yasin akgul

    Kurden demonstrieren in Istanbul.

Share if you care.