Mode an die Freude: Leseempfehlungen

Ansichtssache20. Dezember 2016, 09:00
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Modebücher gibt es viele. Diese warten mit Familiengeschichten, nachhaltiger Mode, exotischen Bildern, Styling- und Karrieretipps auf. Fünf Leseempfehlungen

foto: lukas friesenbichler, hersteller

Für Afrika-Fans

Der Bildband African Catwalk ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Der Fotograf Per-Anders Pettersson ist ein mit allen Wassern gewaschener Fotojournalist, der in der Vergangenheit den Golfkrieg, die Balkankriege und Afghanistan dokumentiert hat. Das Buch widmet sich einem Kontinent, der auch in modischer Hinsicht mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. 2009 war Pettersson das erste Mal als Fotograf auf der Fashionweek in Johannesburg unterwegs, mittlerweile hat der gebürtige Schwede über 40 Modewochen in 16 afrikanischen Ländern fotografiert. Eine Auswahl an Stimmungsbildern und vier kurze Begleittexte sind in seinem Buch zu entdecken. Sie machen neugierig auf mehr. Einziger Wermutstropfen: Das Gros der Autoren ist im westlichen Modesystem verankert.

Per-Anders Pettersson, "African Catwalk", 39,90 Euro / 168 Seiten, Kehrer-Verlag, Heidelberg

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Für Gucci-Girls

Viel ist über dieses Buch seit seinem Erscheinen geschrieben worden. Patricia Gucci, Spross des Gucci-Clans, hat lange auf die Veröffentlichung von In Guccis Namen warten müssen. Zehn Jahre Schweigepflicht war ihr nach Verkauf des Unternehmens an den Kering-Konzern auferlegt worden. Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt werden können: Gucci gilt wieder als sexy – das war lange nicht so. Jetzt also packt Patricia, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr geheimgehaltene uneheliche Tochter und spätere Alleinerbin von Aldo Gucci (er starb 1991), über Intrigen und Verrat und vor allem ihren Vater Aldo, den Helden ihres Buches, aus. Eine Empfehlung – nicht nur für Gucci-Girls.

Patricia Gucci, "In Guccis Namen: Eine Familiengeschichte von Liebe und Verrat", 22,95 Euro / 334 Seiten, Verlag Orell Füssli, Zürich

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Für Stilbewusste

"Darf ein Pyjama so viel kosten wie eine Übernachtung in einem Fünfsternehotel?" Das Buch Stilvoll der Berliner Modejournalistin Marlene Soerensen beschäftigt sich mit handfesten Modeproblemen. Und bemüht sich, auf 170 Seiten Hilfe zu leisten. Schauspielerin Hannah Herzsprung, Bloggerin Jessica Weiss und andere stilvolle Frauen erklären, dass man Hemden auch mal andersherum anziehen kann und dass es in der Mode nicht darum geht, allen zu gefallen. Dazwischen gibt's Modetipps, die ernsthafter daherkommen als in den Modezeitschriften. In ihren persönlichen Beiträgen spricht sich die Autorin für modische Gelassenheit aus – so läuft das Buch nicht Gefahr, zu einem spießigen Neo-Knigge zu geraten.

Marlene Soerensen, "Stilvoll", 29,95 Euro / 176 Seiten, Verlag Callwey München.

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Für Karrieristen

Andere Männer verabschieden sich in seinem Alter in den Ruhestand, der Designer Tommy Hilfiger dreht mit 65 noch einmal auf. Dem Modedesigner spielt der Zeitgeist in die Hände: Der Amerikaner bietet seine Kollektionen nach der Show zum Direktkauf an, dank seines Bekenntnisses zum "See Now, Buy Now"-Prinzip und seiner Kollektion mit Gigi Hadid ist er wieder obenauf. Was läge also näher, als genau jetzt ein Buch herauszubringen, das das Prinzip Hilfiger erklärt. In American Dreamer, zusammen mit dem Biografie-Spezialisten Peter Knobler entstanden, erfährt man in 23 Kapiteln, wie Hilfiger es vom ungeliebten Sohn und schlechten Schüler zum Businessman gebracht hat.

Tommy Hilfiger, "American Dreamer: My Life in Fashion & Business", 21,99 Euro / 352 Seiten, Ballantine Books New York

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Für Trendsetter

Viel ist die Rede von nachhaltiger Mode. Viel ist auch die Rede davon, dass diese Mode das Image selbstgefilzter Hauspatschen längst überwunden hat. Wenn es dann aber darum geht, nachhaltige Modelabels mit Designanspruch aufzuzählen, fällt das meist schwer. Deshalb ist es den Autorinnen Ellen Köhrer und Magdalena Schaffrin hoch anzurechnen, dass sie in ihrem knapp 200 Seiten starken Modebuch Fashion Made Fair eine Lücke schließen. Sie haben 33 nachhaltig agierende Modeunternehmen porträtiert. Und schieben Ökomode-Pioniere wie Hess Natur, aber auch kleine Labels wie das Berliner Unternehmen Folkdays oder die Dänen von Aiayu ins öffentliche Bewusstsein. Für alle, die mitreden können wollen.

Ellen Köhrer, Magdalena Schaffrin, "Fashion Made Fair", 39,95 Euro / 192 Seiten, Prestel-Verlag München

(Anne Feldkamp, RONDO, 20.12.2016)

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