Armin Wolf: "Facebook muss unter das Mediengesetz fallen"

Userartikel7. Dezember 2016, 12:08
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Wie umgehen mit Hass und Hetze in den Erregungswelten des Internets? Katja Rost, Armin Wolf, Markus Peichl und Barbara Kaufmann haben am Mediengipfel in Lech die Veränderungen des Journalismus durch die sozialen Medien erläutert und versucht, Antworten zu finden

Dass die aggressivsten Hasskommentare im Netz vorwiegend von anonymen Nutzern kommen, ist eine dominierende Meinung. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, wie Katja Rost, Professorin für Soziologie an der Universität Zürich, am Freitag anlässlich des Mediengipfels in Lech aufgezeigt hat. Ihre Forschung habe gezeigt, dass die heftigsten Meldungen tatsächlich unter Klarnamen abgesetzt würden.

Als Grund dafür sieht Rost die Intention der Nutzer, für eine Sache einzustehen, die sie für wichtig und fair halten. Wenn es um Gerechtigkeit gehe, würde das im Verständnis der Nutzer den oft aggressiven Tonfall rechtfertigen. Anonym würden Postings erst verfasst werden, wenn wissentlich soziale Normen übertreten würden, erklärte Rost.

Plädoyer für die Gegenrede

Barbara Kaufmann, freie Filmemacherin, Journalistin und Autorin, stimmte ihr in diesem Punkt zu. Sie habe "Vergewaltigungsdrohungen immer anonym bekommen". Das Problem liege auch am Rollenmodell Mann/Frau, das Frauen automatisch eher zu einem schwachen Opfer mache. Nach einem Ausfiltern von Hasskommentaren, die sich ausschließlich auf der persönlichen Ebene abspielen, hält Kaufmann die Strategie der Gegenrede, also eine konstruktive Diskussion mit dem Nutzer, für die beste Lösung.

Markus Peichl, selbstständiger TV-Produzent und Medienunternehmer, erinnert daran, dass es Hass schon immer gegeben habe, der Unterschied sei nur, dass durch die sozialen Medien eine schnellere Verbreitung möglich sei. Peichls Ansatz ist es, überhaupt nicht auf Hasspostings zu reagieren, es sei denn, der Inhalt werde strafrechtlich relevant.

Nutzer blockieren

Armin Wolf, "ZiB 2"-Moderator und stellvertretender Chefredakteur des ORF-Fernsehens, erzählte von stinkenden Fischen und Exkrementen in Briefkästen seiner Kollegen. "Sorry Armin, aber du bist eine bezahlte Rotparteischwuchtel", ist etwa ein Beitrag aus seiner Facebook-Hasskommentar-Sammlung. Seine häufigste Reaktion auf aggressive Facebook-Inhalte ist das Blockieren der Nutzer.

Alle Diskussionsteilnehmer stimmten Peichl zu, dass das Hauptproblem der sozialen Medien die unheimliche Beschleunigung in der Verbreitung von Inhalten sei. Laut Wolf müsse man Facebook als Medium – "das mächtigste der Welt" – auf jeden Fall mit all seinen Problemen ernst nehmen.

Facebook als Medium behandeln

Für Kaufmann ist die Gegenrede der beste Umgang mit Hass im Netz, da sich diese Methode für sie in der Praxis mehrfach bewährt habe. Rost war gegenteiliger Meinung und hat für sich entschieden, den Weg des vollständigen Ignorierens von aggressiven Inhalten zu gehen. Peichl plädierte für eine Selbstregulierung von Facebook, Wolf sprach sich für eine strikte gesetzliche Regelung aus: "Facebook muss unter das Mediengesetz fallen, genau wie jedes andere Medium auch." (Katharina Tesch, 7.12.2016)

  • Diskutierten die Risiken und Chancen der digitalen Kommunikation: Barbara Kaufmann, Armin Wolf und Astrid Zimmermann vom Presseclub Concordia.
    foto: pro.media kommunikation/apa-fotoservice/lechner

    Diskutierten die Risiken und Chancen der digitalen Kommunikation: Barbara Kaufmann, Armin Wolf und Astrid Zimmermann vom Presseclub Concordia.

  • mediengipfel lech
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