Pisa-Studie: Zahl der Risikoschüler wieder gestiegen

6. Dezember 2016, 11:00
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Die Leistungen österreichischer Schüler liegen beim Lesen wieder unter dem OECD-Schnitt

Wien – Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz: Diese Schwerpunkte testet die OECD alle drei Jahre bei Schülerinnen und Schülern weltweit. An der Pisa-Studie 2015 nahmen rund 540.000 Schüler im Alter von 15 Jahren teil – stellvertretend für 29 Millionen in den Schulen der 72 teilnehmenden Länder und Volkswirtschaften. Diesmal lag der Fokus auf den Naturwissenschaften.

Zwar liegen die österreichischen Schülerinnen und Schüler in den Naturwissenschaften im OECD-Schnitt, die Ergebnisse zeigen allerdings eine "Tendenz nach unten", heißt es von der OECD. In Mathematik liegen sie sogar über dem Durchschnitt, die Lesekompetenz lässt hingegen zu wünschen übrig: Hier liegen die Ergebnisse unter dem Durchschnitt.

Viele Risikoschüler

Fast jeder dritte getestete Schüler gehört in zumindest einem Testgebiet (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) zur Gruppe der Risikoschüler, die "gravierende Mängel" aufweisen. 13 Prozent sind sogar in allen drei Gebieten in der Risikogruppe zu finden. Insgesamt liegt Österreich mit diesem Wert exakt im OECD-Schnitt.

Ein Blick auf die Bildungschancen zeigt erneut, dass diese in Österreich noch stärker vererbt werden als im OECD-Schnitt. 16 Prozent der Differenz in der Leistung hängen vom sozioökonomischen Status ab. Der OECD-Schnitt liegt bei 13 Prozent. DER STANDARD hat die wichtigsten Ergebnisse der Pisa-Studie 2015 zusammengefasst:

Chancengleichheit: Bildung wird vererbt

Kanada, Dänemark, Estland, Hongkong (China) und Macau (China) erzielen hohe Leistungen und zugleich ein hohes Maß an Bildungsgerechtigkeit.

Sozioökonomisch benachteiligten Schülerinnen und Schülern gelingt es im OECD-Durchschnitt mit fast dreimal so hoher Wahrscheinlichkeit nicht, das Grundkompetenzniveau im Bereich Naturwissenschaften zu erreichen, wie sozioökonomisch begünstigten Schülerinnen und Schülern. Etwa 29 Prozent der diesbezüglich benachteiligten Schülerinnen und Schüler gelten allerdings als "resilient", das heißt, dass sie trotz ihres ungünstigen Hintergrunds ein hohes Leistungsniveau erreichen.

In Macau und Vietnam erzielen die im internationalen Vergleich am stärksten benachteiligten Schülerinnen und Schüler höhere Leistungen als die Schülerinnen und Schüler mit dem günstigsten Hintergrund.

foto: apa/dpa/daniel reinhardt

Bildung wird in Österreich weiterhin stark vererbt. Sozioökonomisch besser gestellte Schülerinnen und Schüler erreichen im Durchschnitt 45 Punkte mehr in Naturwissenschaften, als schlechter gestellte Schülerinnen und Schüler. Insgesamt hängen 16 Prozent der Differenz in der Leistung vom Status ab, und ist damit höher als im OECD-Schnitt, wo der Durchschnitt bei 13 Prozent liegt.

Naturwissenschaften: 20 Prozent unter Grundkompetenzniveau

Etwa acht Prozent der Schülerinnen und Schüler im OECD-Raum gehören zur Kategorie der besonders leistungsstarken Schüler. Sie verfügen über ausreichende Kompetenzen und Kenntnisse im Bereich Naturwissenschaften, um ihr Wissen und ihre Fähigkeiten kreativ und eigenständig anzuwenden.

Im OECD-Schnitt liegen rund 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler unter dem Grundkompetenzniveau im Bereich der Naturwissenschaften. Das heißt, sie sind nicht imstande, einfache naturwissenschaftliche Inhalte und Vorgehensweisen so zu nutzen, dass sie eine passende Erklärung erkennen, Daten interpretieren und die Frage identifizieren, auf die eine einfache Versuchsgestaltung abzielt.

Obwohl die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Leistungen in Naturwissenschaften im Durchschnitt eher gering sind, ist hier der Anteil der besonders leistungsstarken Schülerinnen und Schüler in 33 Ländern und Volkswirtschaften unter den Buben größer als unter den Mädchen. Finnland ist das einzige Land, in dem Mädchen mit größerer Wahrscheinlichkeit zu den besonders leistungsstarken Schülern zählen als Buben.

Top: Singapur schneidet in Naturwissenschaften besser ab als alle anderen Teilnehmerländer. Japan, Estland, Finnland und Kanada sind die vier OECD-Länder mit den besten Ergebnissen.

Aufsteiger: In der Mehrzahl der Länder mit vergleichbaren Daten sind die Schülerleistungen in Naturwissenschaften seit 2006 weitgehend unverändert geblieben. Deutlich verbessert haben sich die Durchschnittsergebnisse in Kolumbien, Israel, Macau, Portugal, Katar und Rumänien.

Absteiger: In Finnland, der Slowakei und den Vereinigten Arabischen Emiraten haben sich die Leistungen in Naturwissenschaften deutlich um durchschnittlich mehr als zehn Punkte je Dreijahreszeitraum verschlechtert. Die Leistungen in Australien, Tschechien, Griechenland, Hongkong, Ungarn, Island und Neuseeland verschlechterten sich in diesem Zeitraum um fünf bis zehn Punkte.

Österreich: In Österreich ging die mittlere Punktezahl in den Naturwissenschaften im schnitt um 4,9 Punkte pro Dreijahreszeitraum zurück. Trotzdem liegt Österreich damit knapp über dem OECD-Schnitt auf Platz 26.

Lesekompetenz: Vorsprung der Mädchen verringert sich

Im OECD-Schnitt gelingt es ungefähr 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht, mit ihren Leseleistungen das Grundkompetenzniveau zu erreichen. Dieser Anteil ist seit 2009 weitgehend unverändert geblieben.

Im Durchschnitt verringerte sich der Leistungsvorsprung der Mädchen bei der Lesekompetenz seit 2009 um zwölf Punkte: Die Leistungen der Buben verbesserten sich, vor allem unter den leistungsstärksten Buben, wohingegen sich die Leistungen der Mädchen verschlechterten.

Top: Mit einem Durchschnittsergebnis von 535 Punkten liegt Singapur bei der Lesekompetenz etwa 40 Punkte über dem OECD-Schnitt (493 Punkte). Die kanadischen Provinzen British Columbia und Alberta liegen direkt dahinter.

Aufsteiger: Albanien, Estland, Georgien, Irland, Macau, Moldau, Montenegro, Russland, Slowenien und Spanien gelang es seit 2009, den Anteil der besonders leistungsstarken Schüler in der Lesekompetenz zu erhöhen und zugleich den der leistungsschwachen zu senken.

Absteiger: Australien, Finnland, Island, Neuseeland, die Slowakei und Schweden verzeichneten einen signifikanten Rückgang, wobei sich die Leistungen zwischen der Pisa-Studie 2000 und jener von 2015 im Durchschnitt um drei bis sechs Punkte pro Dreijahreszeitraum verschlechterten.

Österreich: Österreich stagniert bei der Lesekompetenz der 15-Jährigen. Im Dreijahreszeitraum ging die durchschnittliche Punktezahl um 1,2 zurück. Die Ergebnisse liegen unter dem Durchschnitt.

Mathematik: Asien liegt vorne

Vier asiatische Teilnehmer schneiden im Bereich Mathematik besser ab als alle anderen: Singapur, Hongkong, Macau und Taiwan. Das leistungsstärkste OECD-Land in diesem Bereich ist Japan.

Im OECD-Durchschnitt erzielen Buben in Mathematik acht Punkte mehr als Mädchen. Der Leistungsvorsprung der Buben tritt unter den leistungsstärksten Schülern am deutlichsten zutage: Die leistungsstärksten zehn Prozent der Buben schneiden um 16 Punkte besser ab als die leistungsstärksten zehn Prozent der Mädchen.

Top: Auch in Mathematik ist Singapur von allen Teilnehmerländern jenes, das am besten abschneidet. Mit 564 Punkten liegt es mehr als 70 Punkte über dem OECD-Schnitt (490 Punkte). Hongkong, Macau und Taiwan folgen dahinter. Japan ist mit einer mittleren Punktezahl von 532 das leistungsstärkste OECD-Land in Mathematik.

Österreich: Bei den Mathematikergebnissen liegt Österreich über dem OECD-Schnitt. Mit 497 erreichen die Jugendlichen durchschnittlich sieben Punkte mehr.

(Oona Kroisleitner, 6.12.2016)

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