Bereits die alten Römer litten an Malaria

5. Dezember 2016, 18:45
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Forscher fanden in fast 2.000 Jahre alten Skeletten aus altrömischen Friedhöfen DNA-Reste des Erregers Plasmodium falciparum. Trug Malaria zu Roms Untergang bei?

Hamilton/Wien – Dass es auf dem Gebiet des heutigen Italien immer wieder Malariaepidemien gegeben haben muss, lässt sich aus dem Namen der Krankheit ableiten: "mal'aria" bedeutet schlechte Luft, die insbesondere aus den Sümpfen steigt. Wie man längst weiß, ist es freilich nicht das Miasma, also der üble Geruch, sondern der durch Stechmücken übertragene Erreger Plasmodium, der für die Infektion sorgt.

Die Fieberkrankheit tötet knapp eine halbe Million Menschen jährlich. Ihre ersten Spuren – und Toten – finden sich schon im alten Ägypten. Nicht restlos geklärt ist die Frage, ob die Malaria auch im alten Rom wütete und ob sie womöglich zum Untergang des Römischen Reiches beitrug.

"Es gibt aus der griechischen und römischen Antike umfangreiche Beschreibungen von Fieberarten, die nach Malaria klingen", sagt Stephanie Marciniak (Penn State University), "aber der genaue Erreger war bis jetzt nicht ganz klar." Gemeinsam mit italienischen und US-amerikanischen Kollegen untersuchte die Forscherin insgesamt 68 Skelette von mehr als 1.800 Jahre alten Friedhöfen aus der Region um Rom, um nach Malaria-Hinweisen zu suchen.

Der Malaria auf den Zahl gefühlt

Das ist 2.000 Jahre später naturgemäß nicht ganz einfach, da der Erreger sich vor allem im Blut und in Organen wie der Leber aufhält. Fündig wurden die Forscher in der Zahnpulpa, also dem Mark der Zähne, umgangssprachlich meist als "Nerv" bezeichnet.

Aufwendige Analysen förderten mitochondriale DNA-Fragmente zutage, die ziemlich sicher vom Einzeller Plasmodium falciparum stammen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Current Biology". Das ist jener Malariaerreger, der heute noch die meisten Opfer fordert.

Für Co-Autor Hendrik Poinar (McMaster University) ist damit offensichtlich, dass Malaria bereits im alten Rom für viele Tote sorgte. Unklar bleibt, ob sie auch zu Roms Untergang beitrug. (tasch, 5.12.2016)

  • Einer der altrömischen Schädel, die nach der DNA des Malariaerregers untersucht wurden. Spuren fanden sich schließlich in der Zahnpulpa.
    luca bandioli, pigorini-museum

    Einer der altrömischen Schädel, die nach der DNA des Malariaerregers untersucht wurden. Spuren fanden sich schließlich in der Zahnpulpa.

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