Nach Tragödie in Tirol: Güterzüge im Visier der Exekutive

5. Dezember 2016, 18:21
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Bahn und Polizei berichten, dass immer mehr Flüchtlinge Güterzüge nutzen. Bayern verstärkt Grenzkontrollen und macht Druck auf Österreich

Innsbruck – Die beiden Todesopfer, die am Samstag am Bahnhof in Wörgl auf einem Zug der Rollenden Landstraße (RoLa) entdeckt wurden, starben, weil sie beim Entladen ein Lkw überrollt hat. Allerdings dürften alle drei Opfer, ein Mann schwebt noch in Lebensgefahr, aufgrund der Kälte bereits bewusstlos gewesen sein.

Vermehrt Aufgriffe auf Güterbahnhöfen

"Bei den Todesopfern handelt es sich um eine Frau und einen Mann. Alle drei haben schwarze Hautfarbe", fasst Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamts, die bisherigen Erkenntnisse zusammen. Die Vermutung liegt nahe, dass die drei als Flüchtlinge aus Italien kommend nach Deutschland wollten. Der Zug, auf dem sie entdeckt wurden, war in Verona losgefahren.

Seit einigen Wochen kommt es immer wieder zu Aufgriffen von illegal Eingereisten auf Güterzügen, berichten ÖBB und Polizei in Tirol. Wahrscheinlich nehmen Flüchtlinge wegen des großen Kontrolldrucks auf den Straßen – am Montag kündigte Bayern ab dem 15. Dezember Rund-um-die-Uhr-Kontrollen bei Passau, Salzburg und Kufstein an – und in den Personenzügen das Risiko auf sich. Auf Münchner Güterbahnhöfen wurden im November 120 illegal eingereiste Personen aufgegriffen. In den ersten Dezembertagen waren es bereits 37.

Kontrollen schwierig

"Der Aufwand ist enorm", sagt ÖBB-Sprecher Rene Zumtobel über die Schwierigkeiten bei der Kontrolle. Güterzüge sind bis zu 700 Meter lang, und um Nachschau zu halten, müssen mehrere Geleise gesperrt werden. Allerdings fordern die deutschen Behörden von den Österreichern mehr Kontrollen. Seit Freitag werden daher am Frachtenbahnhof Innsbruck Züge stichprobenartig inspiziert. Am Brenner geht das nicht, weil dort der Bahnhof auf italienischer Seite liegt, heißt es seitens der ÖBB. Montag wurden drei von täglich rund 40 Garnituren gestoppt. Mehr sei logistisch nicht möglich.

Sollten die Österreicher den Kontrollen nicht nachkommen, stoppen die Deutschen die Züge ihrerseits in Raubling im großen deutschen Eck. Was zu einer Totalsperre führt, weil beide Geleise dafür benötigt werden. Für die ÖBB ein Horrorszenario, transportieren sie doch täglich tausende Passagiere über diese Strecke. Offenbar will man damit Druck auf die Österreicher ausüben.

In Tirol wurden heuer mehr als 11.000 illegal Eingereister aufgegriffen. Die meisten stammen aus Afrika, kommen via Italien und wollen weiter nach Deutschland.

Montag Nacht wieder Personen auf Güterzug gefunden

Am Bahnhof Wörgl entdeckten in der Nacht auf Montag ÖBB-Mitarbeiter beim Entladen eines aus Italien kommenden Güterzuges der RoLa erneut Personen auf den Waggons. "Es waren dieselben Umstände wie am Samstag, nur waren die Personen zum Glück bei Bewusstsein", sagt Hubert Baldemair von der Polizei in Wörgl. Vier der Entdeckten wärmten sich im Lokal der RoLa bevor sie weiter ins Polizeianhaltezentrum Innsbruck gebracht wurden. Zwei Personen waren so stark unterkühlt, sagt Baldemair, dass sie in Krankenhaus nach Kufstein transportiert wurden. (Steffen Arora, 6.12.2016)

  • Wegen des Kontrolldrucks wichen Flüchtlinge zuletzt vermehrt auf Güterzüge aus. Kontrollen gestalten sich schwierig.
    foto: reuters / dominic ebenbichler

    Wegen des Kontrolldrucks wichen Flüchtlinge zuletzt vermehrt auf Güterzüge aus. Kontrollen gestalten sich schwierig.

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