Goldgeschäfte sollen Scharia-konform werden

6. Dezember 2016, 12:19
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Neue Regeln sollen Spekulation ausschließen und somit islamischen Vorschriften genügen

Wien – Gold und Silber soll zwischen islamischen Banken- und Finanzeinrichtungen künftig leichter gehandelt werden. Die Accounting and Auditing Organization for Islamic Financial Institutions (AAOIFI) und das World Gold Council haben sich auf neue Standards geeinigt. Ziel sei es, den Goldhandel zwischen islamischen Einrichtungen anzukurbeln. Dafür wurden nun neue Richtlinien entwickelt.

Sämtliche Transaktionen und Investitionen über Islamic Finance sind auf der Scharia aufgebaut. Das heißt: Über die Einrichtungen dürfen keine Investments in Unternehmen gemacht werden, die in Kontakt mit Glücksspiel, Schweinefleisch, Alkohol, Tabak, Waffen oder Prostitution stehen.

Besondere Rolle des Goldes

Bisher gab es keine eindeutigen Regeln für den Handel mit Gold. Das Metall hat eine besondere Rolle im Islam, manche Koranüberlieferungen behaupten, dass das Tragen von Goldschmuck zum Beispiel nur Frauen gestattet sei. Die neuen Richtlinien sollen jetzt Klarheit schaffen. Sie sehen unter anderem vor, dass Goldtransaktionen innerhalb eines Tages durchgeführt werden müssen, um Spekulation zu vermeiden. Zudem müssen Geschäfte voll mit dem Edelmetall hinterlegt sein.

Bisher hat Gold innerhalb des islamischen Bankenwesens nur eine sehr geringe Rolle gespielt. Die neuen Regeln, die neben Gold auch Silber betreffen, sollen das jetzt ändern. Unter anderem sollen die Richtlinien dazu beitragen, dass Gold weitläufiger unter islamischen Investoren akzeptiert wird.

Unklarheiten über neue Regelungen

Nach wie vor herrschen innerhalb des islamischen Finanzwesens Unklarheiten darüber, wie Gold innerhalb von Anlageprodukten und Investitionen eingesetzt werden soll. Die Branche lässt sich eine neue Investmentoption jedoch nicht entgehen: "Einige Anbieter haben in Erwartung der neuen Reglungen bereits Anlegerprodukte entwickelt", sagt Natalie Dempster vom World Gold Council, einer Lobbyorganisation in London.

Einige islamische Banken wie das Finance House in Kuwait und die Muamalat-Bank in Malaysia bieten bereits Goldanlageprodukte an. Aber auch börsengehandelte Fonds haben schon Scharia-konforme Anlageprodukte hervorgebracht.

Vertreter von ETF Securities, einem Anbieter börsengehandelter Produkte in London, sagten am Montag, dass die neuen Richtlinien den Goldpreis wahrscheinlich nicht verändern werden. Auf dem Markt würden wahrscheinlich außerdem erst langsam neue Investmentprodukte entstehen. (lauf, Reuters, 5.11.2016)

  • Neue Richtlinien sollen den Gold- und Silberhandel zwischen islamischen Finanzeinrichtungen erleichtern.
    foto: reuters/leonhard foeger

    Neue Richtlinien sollen den Gold- und Silberhandel zwischen islamischen Finanzeinrichtungen erleichtern.

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