Dutzende Bootsflüchtlinge aus Myanmar möglicherweise ertrunken

5. Dezember 2016, 17:00
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Boot soll bei Verfolgung durch Armeeboot auf Grenzfluss gesunken sein – Militär in Myanmar verschärft Gangart gegen muslimische Minderheit

Dhaka/Yangon (Rangun) – Beim Kentern ihres Boots auf einem Grenzfluss zwischen Myanmar und Bangladesch sind vermutlich Dutzende Flüchtlinge der muslimischen Rohingya-Minderheit ertrunken. Ein Fischer aus Bangladesch berichtete am Montag, er habe eine Überlebende aus dem Fluss Naf gerettet, nach deren Angaben das mit Flüchtlingen "überfüllte" Boot gekentert sei.

Es wurde demnach beim Versuch, über den Grenzfluss nach Bangladesch zu gelangen, von einem Schnellboot des Militärs verfolgt. Er wisse nicht, wie viele Menschen an Bord des Unglücksschiffs gewesen seien, sagte der Fischer der Nachrichtenagentur AFP. Die private Nachrichtenagentur UNB berichtete unter Berufung auf einen Dorfältesten in Bangladesch von mindestens 31 Insassen.

Ein Vertreter der Rohingya sagte AFP, am Flussufer in der Höhe seines Dorfs in Myanmar seien die Leichen von 13 Frauen und Kinder angeschwemmt worden. Zwei von ihnen hätten Schusswunden aufgewiesen. Die Berichte ließen sich zunächst nicht überprüfen. Polizei und Grenzwachen in Bangladesch sind nach eigenen Angaben über das Unglück nicht informiert.

Konflikt zwischen Rohingya und Myanmar

Seit Wochen spitzt sich der Konflikt zwischen den Rohingya und dem Militär in Myanmar zu. Im Oktober hatte die Armee nach einer Serie koordinierter Angriffe auf Grenzposten Truppen in das Siedlungsgebiet der Rohingya an der Grenze zu Bangladesch entsandt. Ausländische Journalisten und Ermittler haben keinen Zutritt zu dem Gebiet, aber geflüchtete Rohingya berichteten von niedergebrannten Dörfern, vergewaltigten Frauen und getöteten Männern. Rund 30.000 Muslime wurden Schätzungen zufolge bereits in die Flucht getrieben.

Die gewaltsame Verfolgung der Rohingya wirft auch ein schlechtes Licht auf die Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Diese erklärte bisher lediglich, die Vorfälle würden nach geltendem Recht untersucht. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit im Land betrachten die Rohingya als illegale Einwanderer aus Bangladesch, obwohl diese zumeist schon seit Generationen in Myanmar leben. (APA, AFP, 5.12.2016)

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