Zipfer: Urtypisch angepasst

Kolumne30. Dezember 2016, 16:00
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Manchmal ändern sich auch bei sehr vertrauten Bieren die Rezepte. Man merkt es kaum

Im Jahr 2017 wird eine Ikone des österreichischen Biermarkts 50. Geburtstag feiern. Genau genommen ist es der 52. – und das kam so: 1965 hat die Zipfer Brauerei ein neues Bierrezept erprobt. Es sollte ein sehr helles Bier werden, leichter, herber und spritziger als das, was damals auf dem Markt war. Um das zu erreichen, wurde der Malzmaische gekochter Reis zugesetzt – das machte das Bier schlanker und heller.

"Urhell" wurde das Produkt genannt – was treffend geklungen hat, aber einen möglichen Markenrechtsstreit mit dem Pilsner Urquell heraufbeschworen hat. Also wurde das Bier 1967 in "Zipfer Urtyp" umbenannt – und als "ein Glas heller Freude" etabliert.

Hellere Biere

Allerdings ist auch in Zipf die Zeit nicht stehengeblieben – die technologischen Fortschritte, die es in den vergangenen 50 Jahren gegeben hat, haben de facto eine neue Brauerei an dem bewährten Standort entstehen lassen. Zu diesen Fortschritten gehört unter anderem, dass man die Maische und die Bierwürze heute mit wesentlich weniger Sauerstoff und weniger thermischer Belastung herstellen kann – was hellere Biere ergibt.

Nun sollte das Urtyp allerdings nicht allzu hell werden; also hat man dessen Rezeptur nach und nach angepasst – ohne dass der Geschmack geändert wurde. Der Reis, noch vor 20 Jahren unersetzlich, ist nicht mehr im Bier. Und keiner hat es gemerkt. (Conrad Seidl, RONDO, 1.1.2017)

  • Auch in Zipf ist die Zeit nicht stehengeblieben.
    foto: brau union

    Auch in Zipf ist die Zeit nicht stehengeblieben.

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