Experte: "FPÖ hat jetzt zwei sehr starke Marken im Feld"

5. Dezember 2016, 14:54
503 Postings

Norbert Hofer könne auch für Strache von Vorteil sein, meint Politikberater Thomas Hofer. Vorausgesetzt, die Partei lasse sich keine Führungsdiskussion aufzwingen

Wien – Die besseren Werte hat definitiv Norbert Hofer. Der blaue Präsidentschaftskandidat schnitt zuletzt im APA-Vertrauensindex durchwegs besser ab als Parteichef Heinz-Christian Strache. Bei dieser Umfrage, die von OGM regelmäßig durchgeführt wird, wird der Saldo aus "Habe Vertrauen zu" und "Habe kein Vertrauen zu" ermittelt. Der Dritte Nationalratspräsident Hofer kam im November immerhin auf einen positiven Saldo von fünf Punkten. Im Lauf des Wahlkampfs konnte er sich stetig verbessern (Ende 2013 lag er noch bei minus 13).

Straches Imagewerte haben sich über die Jahre zwar auch deutlich verbessert (vor zehn Jahren lag er noch bei minus 40 Punkten, zuletzt bei minus 13), er war aber noch nie im Plus und ist auch von den Zahlen seiner möglichen Herausforderer bei der nächsten Nationalratswahl (plus 19 für Christian Kern, plus 27 für Sebastian Kurz) weit entfernt.

Diskussionen im Vorhinein verhindern

Diese Entwicklungen sind natürlich auch den Blauen nicht verborgen geblieben. Eine Führungsdiskussion wollen sie aber erst gar nicht aufkommen lassen, wie die Kommentare am Wahlabend gezeigt haben. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl, aber auch Ursula Stenzel und der Abgeordnete Johannes Hübner versicherten unisono, dass niemand daran denke, Hofer zur neuen Nummer eins zu machen.

Hofer selbst stellte sich demonstrativ hinter Strache, deponierte, nur Listenplatz zwei anzustreben und von einer Doppelspitze "gar nichts" zu halten. Denn: "Eine Partei braucht einen Obmann, und dieser Obmann ist gut", sagte er am Sonntagabend zum STANDARD. Auch sonst hat noch niemand öffentlich am Stuhl des blauen Frontmanns gesägt.

Früher "Einpersonenpartei"

Aus strategischer Sicht kann ein starker Hofer für die FPÖ durchaus von Vorteil sein, glaubt der Politikberater und Namensvetter Thomas Hofer. "Wenn man das geschickt spielt und die Rollenverteilung funktioniert, ist das sicher gut für die FPÖ." Die Freiheitlichen hatten jahrelang das Problem, nur eine "Einpersonenpartei" gewesen zu sein, bei der alles auf Strache zugeschnitten war. "Jetzt haben sie zwei sehr starke Marken im Feld."

Norbert Hofer sei auch "nicht der Typ für eine Palastrevolution", ist der Berater überzeugt. Dennoch bestehe natürlich immer auch ein gewisses Restrisiko, dass eine Personaldiskussion von außen in eine Partei getragen werde. Vor diesem Hintergrund seien wohl auch die umgehenden Klarstellungen des Wahlverlierers zu verstehen gewesen, wonach er kein Interesse an der FPÖ-Spitze habe.

Konkurrierende Rolle liegt nicht in seinem Gemüt

Der langjährige FPÖ-Abgeordnete und aktuelle Volksanwalt Peter Fichtenbauer, der selbst zeitweise als Präsidentschaftskandidat gehandelt wurde, hat jedenfalls keine Zweifel daran, dass sich Hofer hinter Strache einreihen wird. "Die Strategie, ihn als zweiten Mann hinter H.-C. zu positionieren, ist goldrichtig." In Kenntnis Norbert Hofers könne er auch sagen: "Es liegt nicht in seinem Gemüt und seiner Persönlichkeitsstruktur, eine konkurrierende Rolle zum Parteichef einzunehmen."

Und was wäre, wenn ein möglicher Koalitionspartner sagen würde: Strache können wir nicht als Kanzler akzeptieren, Hofer aber schon? Fichtenbauer: Er könne solch einen Deal zu 100 Prozent ausschließen. Es sei ein "großer historischer Fehler" gewesen, dass Jörg Haider seinerzeit unter Schwarz-Blau nicht selbst in die Regierung gegangen ist.

Hartes Image

Worin bestehen nun die Herausforderungen Straches? Für einen Kandidaten, der Bundeskanzler werden wolle, habe der FPÖ-Chef wohl noch immer ein "zu hartes Image", analysiert Thomas Hofer. In einem personalisierten Wahlkampf, in dem es dann möglicherweise zu einem Duell Kern gegen Kurz kommt, sei das sicher der "verwundbare Punkt" der FPÖ. Zwar liege die Partei in der Sonntagsfrage noch komfortabel vorn, "bei den Gegenkandidaten Kern und Kurz ist das aber nicht in Stein gemeißelt".

Daher werde die FPÖ sicher versuchen, Strache "weichzuzeichnen", wie man das teilweise schon probiert habe. Norbert Hofer habe im Wahlkampf, zumindest über weite Strecken, gezeigt, "wie ein erfolgreiches Modell funktionieren kann". (Günther Oswald, 5.12.2016)

  • Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer (links) versicherte am Wahlabend, dass Heinz-Christian Strache als Parteichef unbestritten sei.
    foto: apa/hans klaus techt

    Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer (links) versicherte am Wahlabend, dass Heinz-Christian Strache als Parteichef unbestritten sei.

Share if you care.