Warum es keine Spin-Doktoren mehr braucht

Userkommentar6. Dezember 2016, 18:56
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"Cambridge Analytica" macht mit Big-Data Wahlkämpfe in aller Welt. Donald Trump ist jüngster Referenzkunde des Unternehmens

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Donald Trump redet kein wirres Zeug und er widerspricht sich auch nicht selbst. Nein, denn vielmehr steckt hinter Trumps Aussagen ein ganz klares Muster. Er sagt, was die Computer der Firma "Cambridge Analytica" vorgeben. Und das ist ganz schön viel. Ziel von Trumps Kampagne war es, dass jeder potentielle Wähler mindestens einmal im Wahlkampf den für ihn passenden Satz hört.

Das Profil der Wähler

"Cambridge Analytica", ein privates Big-Data-Unternehmen, dessen Name auch in den "Panama Papers" auftaucht, hat die Methode zur IT-unterstützten Persönlichkeitsprofilsanalyse des polnischen Cambridge-Studenten und Stanford-Wissenschaftlers Michal Kosinski abgeschaut und nachprogrammiert. Jetzt bietet "Cambridge Analytica" seinen Algorithmus für Wahlkämpfe in aller Welt an. Seit einem Monat wird neben der erfolgreichen Brexit-Kampagne (leave.eu) auch Trump als prominenter Referenzkunde angeführt.

Auch wenn die Arbeit von "Cambridge Analytica" stark angezweifelt wird, ist sie mehr als eine Fußnote wert. Das Unternehmen arbeitet nämlich nicht mehr nach demografischen Konzepten, sondern es berechnet das Persönlichkeitsprofil eines jeden einzelnen Wählers, basierend auf dessen Daten in Grundbüchern, Wählerverzeichnissen und Krankenakten – in den USA sind quasi alle Daten käuflich erwerbbar.

Programmierter Wahlerfolg

Trump wird bekanntermaßen demnächst zum nächsten US-Präsidenten angelobt. Man lerne daraus: wer gewählt werden will, braucht kein Wahlprogramm, sondern ein Computerprogramm, das ihm genau sagt, welchem Wähler er wann nach dem Mund reden muss. Der in der 1990er Jahren so sehr gehypte Beruf des Spin-Doktors gehört damit ebenso ins Museum der alten Gewerbe wie der Flößer oder der Sauschneider. Dafür gibt's einen neuen Beruf, den Algorithmus-Doktor.

Was wir allerdings noch nicht wissen, ist wie der gewählte Politiker seine Politik anlegen wird. Vielleicht aber hat "Cambridge Analytica" auch dafür schon einen Algorithmus entwickelt. In der Science-Fiction-Literatur nennt man das die Herrschaft der Maschinen. (Markus A. Gaßner, 6.12.2016)

  • In Social Media umtriebig: Donald Trump
    foto: reuters/mark kauzlarich

    In Social Media umtriebig: Donald Trump

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