Forscher enthüllen die genetische Vielfalt eines Weinrebenkillers

5. Jänner 2017, 12:35
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Bakterium, das die gefürchtete Schwarzholzkrankheit auslöst, kommt in Österreich in mindestens 14 Stämmen vor

Wien – Zellwandlose Bakterien (Phytoplasmen) dürften mehr als 100 Pflanzenkrankheiten verursachen. Allerdings können sie im Labor nicht gezüchtet und genauer untersucht werden. Österreichischen Forschern ist es nun gelungen, ein Weinstöcke schädigendes Bakterium näher zu analysieren und zu zeigen, dass es 14 Stämme davon gibt. Die Studie erschien im "Journal of Phytopathology".

Phytoplasmen leben in Pflanzen ausschließlich im sogenannten Phloem, einem Teil des pflanzlichen Leitungssystems. Eine dieser Bakterienarten ist für die als Schwarzholzkrankheit bezeichnete Vergilbungserkrankung von Weinreben verantwortlich. Übertragen wird dieses Bakterium von einer Zikadenart.

Günter Brader vom Health and Environment Department des Austrian Institute of Technology (AIT) in Tulln ist es in Kooperation mit dem Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg gelungen, das Erbgut (DNA) von diesem Bakterium zu isolieren und zu charakterisieren. "Wir isolierten dazu zunächst die gesamte DNA von befallenen Wirtspflanzen, erhielten zunächst also ein Gemisch von Pflanzen- und Bakterien-DNA", erklärte Brader in einer Aussendung des Wissenschaftsfonds FWF, der das Projekt gefördert hat.

Brennnesseln als Zwischenwirte

Dank der speziellen Zusammensetzung des Phytoplasmen-Erbguts konnten die Forscher dieses abtrennen und charakterisieren. Vergleiche bestimmter DNA-Sequenzen zeigten, dass es in Österreich mindestens 14 Stämme (Genotypen) des verantwortlichen Bakteriums gibt.

Die Wissenschafter konnten zeigen, dass nur einer dieser 14 Stämme für die derzeit in Österreich grassierende Ausbreitungswelle der Schwarzholzkrankheit verantwortlich ist. Verbreitet wird dieser Bakterienstamm durch Windenglasflügelzikaden, wobei Brennnesseln als Zwischenwirte dienen. Das sei überraschend, weil bei früheren Untersuchungen die Ackerwinde als Zwischenwirt vermutet wurde, so Brader. Möglicherweise habe sich der Verbreitungsweg in den vergangenen Jahren geändert.

Bekämpfen lasse sich die Schwarzholzkrankheit nur indirekt. Man könne stark befallene Stöcke entfernen oder stark zurückschneiden. Aufgrund der neuen Erkenntnisse empfehlen die Forscher, entweder Brennnesseln in unmittelbarer Nähe von Weingärten zu bekämpfen oder sie im Sommer nicht zu schneiden. "Andernfalls weichen die Zikaden auf den Wein aus", so Brader. (APA, 5. 1. 2016)

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