Medienrummel in der Hofburg: Die Welt blickte auf Österreich

4. Dezember 2016, 20:41
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750 akkreditierte Journalisten kamen zur Präsidenten-Stichwahl, ein Drittel davon aus dem Ausland

Sprachengewirr im großen Redoutensaal der Hofburg. In jeder Ecke steht ein Trüppchen Journalisten aus einem anderen Land. Rund 750 Medienvertreter hatten sich angekündigt, ein Drittel davon aus dem Ausland – Wien war am Sonntag ein internationaler Hotspot.

Kyoichi Sasazawa, Korrespondent für die Tageszeitung "Yomiuri Shimbun", erzählt, dass derzeit selbst im fernen Japan das Interesse an Österreich groß sei: "Es ging schließlich darum, ob sich das Populismus-Syndrom ausbreitet", sagt der Journalist.

Haltung zur Türkei

Auch in der Türkei gebe es Interesse am österreichischen Bundespräsidenten, sagt Askin Kiyagan von der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur "Anadolu Ajansi". Derzeit sei das Verhältnis zwischen der Türkei und Österreich unterkühlt: "Weil österreichische Politiker mit ihrer Position zur Türkei in erster Linie innenpolitisch punkten wollen." Aus türkischer Perspektive sei der Wahlsieg Alexander Van der Bellens zu begrüßen, führt er aus. Von "Grünen und Linken" erwarte man nämlich eine gemäßigte Haltung zur Türkei.

Paul Munzinger von der Online-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung" ist sich sicher, dass die Wahl Auswirkungen auf Deutschland haben wird: "Die FPÖ hat sich mit ihrem sehr konfrontativen Wahlkampfstil nicht durchgesetzt, aber doch sehr viele Wähler überzeugt." Die deutsche AfD habe bestimmt "genau hingesehen" und werde sich einiges abschauen.

Extrem spannend

ARD-Korrespondent Michael Mandlik hält die österreichische Bundespräsidentenwahl für "extrem spannend" – auch aus europäischer Sicht. In Deutschland stehen kommendes Jahr vier Wahlen an. "Es wurde deshalb genau beobachtet, ob der sogenannte Trump-Effekt nun auch in Österreich greift, in einem direkten Nachbarland", sagt er. Bezüglich der vielen Probleme, die es in den vergangenen Wochen gab und die schließlich zur Wahlverschiebung geführt haben, ist der Beobachter gnädig: "Da hatten die Österreicher auch wirklich Pech." (mika, 4.12.2016)

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