Linzer Professor will Kleinfirmenförderung bei Hochschulen verankern

5. Dezember 2016, 07:09
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Akademische Spin-offs gibt es relativ selten. Friedrich Schneider hat sich angesehen, wie das in den USA ist

Wien/Linz – Es seien in der Regel Kleinstbetriebe, aus denen pionierhafte Innovationen und Entwicklungen entstehen, erläutert Friedrich Schneider, Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Als Beispiel führt er an: Apple-Computer, Facebook oder Twitter. In den USA – konkret an der Universität in Minnesota und der Technischen Universität in Blacksburg, Virginia, hat er sich angesehen, wie solche Jungunternehmerförderung dort stattfindet:

An einem Tag wird eine sogenannte "Flashlight-Präsentation" durchgeführt mit streng begrenzten zehn Minuten Zeit für jeden einzelnen Projektwerber. Nach 30 bis 40 Vorstellungen zu möglichen Start-up-Ideen zieht sich die Jury zurück. Noch am selben Tag wird eine Entscheidung getroffen, wer der oder die Glückliche/n ist/sind, die in den Genuss einer Anschubfinanzierung kommen. Es handelt sich dabei, erläutert Schneider, um bundesstaatliche Förderungen, "und die Jury hat das Pouvoir, die Gelder zu vergeben". Die Jury besteht aus Vertretern der Universität und aus der Wirtschaft. Die Universitätsexperten vertreten dabei den Staat. Von den Jungunternehmern wird ein Selbstbehalt von 20 bis 30 Prozent verlangt.

Schwieriges Spin-off

"So etwas fehlt mir in Österreich", sagt Schneider. Er hält es für eines der Erfolgsgeheimnisse in Übersee, dass die Förderung des Jungunternehmertums dort oft direkt bei den Hochschulen angesiedelt ist. So kann schnell reagiert werden, wenn eine gute Idee aufpoppt.

Da in Österreich aber die Jungunternehmerförderungen auf der Ebene des Bundes oder der Länder angesiedelt sind, gehe viel Energie verloren. Junge Leute würden abwandern, weil sie mit ihre Ideen woanders mehr Chancen und schnellere Umsetzungsmöglichkeiten sehen.

Gute Kooperationen

Zwar gebe es bereits innerhalb der österreichischen Hochschulen viel und gute Kooperation zwischen Forschung und Wirtschaft, ein Spin-off aber gestalte sich häufig schwierig. An der Fachhochschule in Hagenberg für Informatik, Kommunikation und Medien habe man deshalb leere Klassensäle für junge Unternehmer, zumeist Studenten der Hochschule, bereitgestellt. "In der Anfangsphase ist es eine Erleichterung, wenn man zumindest einmal Räumlichkeiten zur Verfügung hat." Und nur die wenigsten finden in dieser Frühphase einen Investor, der für solche und ähnliche Kosten aufkommt.

Deshalb, meint Schneider, sollte Österreich ähnliche Angebote konzipieren. So sei es überlegenswert, das Know-how der neuen Medizinischen Fakultät in Linz mit bestehenden Einrichtungen zu verknüpfen. Man habe ausgezeichnete Mechatroniker, und man bilde Mediziner aus. "Da liegt die Idee nahe, von Hirn gesteuerte Prothesen zu entwickeln", begeistert sich Schneider. "Da gibt es erst Ansätze."

Neues Förderprogramm

In diese Kerbe schlägt auch ein relativ neues Förderprogramm für Gründer aus dem Hochschulbereich, das im September vorgestellt wurde und mit dem das Wissenschaftsministerium die vergleichsweise niedrige Anzahl an akademischen Ausgründungen heben will – der STANDARD berichtete. 15 Millionen Euro sollen bei der "Young Innovators Austria"-Initiative etwa 50 Gründungsteams helfen, ihre Geschäftsidee zu entwickeln. Dafür haben sie bis zu 18 Monate Zeit.

Hintergrund für den Vorstoß ist die Tatsache, dass in Österreich nur relativ selten aus Erkenntnissen des akademischen Bereichs marktreife Produkte und Dienstleistungen weiterentwickelt werden. "Das ist bei uns zum Teil noch steinzeitlich, da bleibt zu viel Innovationspotenzial ungenutzt", sagte Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) bei der Vorstellung des Young-Innovator-Programms.

Umstrittene Beteiligungen

Nichts hält Schneider davon, dass sich der Staat an solchen Innovationsprojekten direkt beteiligt – diese Idee war von der US- Wirtschaftswissenschafterin Mariana Mazzucato bei einem kürzlichen Österreich-Besuch propagiert worden. Schneider: "Die österreichische Geschichte hat gezeigt, dass Staatsbeteiligungen in vielen Fällen nicht das gewünschte Ergebnis zeigen." Allerdings seien Innovations- und Grundlagenforschung ein öffentliches Gut, von dem jeder profitiert. Deshalb ist es sozusagen Pflicht des Staates, genügend Mittel dafür bereitzustellen. Unternehmensgründungen aber sollten nur über verlorene Innovationszuschüsse oder Fördermittel unterstützt werden und nicht über Beteiligungen. "Ich bezweifle, dass staatliche Institutionen ein besseres Know-how und Erfahrung mit Innovationsprozessen und Innovationen haben als Firmen." (Johanna Ruzicka, 5.12.2016)

  • International kommen  Start-Ups häufig aus der  universitären Forschung.  In Österreich soll dies künftig auch  so werden.
    foto: afp/ksiazek

    International kommen Start-Ups häufig aus der universitären Forschung. In Österreich soll dies künftig auch so werden.

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