Rettungsplan für Alitalia gesucht

5. Dezember 2016, 07:09
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Trotz Staatshilfen ist die italienische Fluglinie erneut in Turbulenzen geraten. Nun werden Investoren gesucht

Drei Jahre nach Bildung der Allianz der italienischen Fluggesellschaft Alitalia mit Air-Berlin-Großaktionär Etihad ist die Alitalia neuerlich in Turbulenzen. Die mit 12.000 Beschäftigten überbesetzte Airline soll heuer 400 Millionen Euro Verlust schreiben. Der für 2017 angepeilte Break-even wurde auf 2020 oder danach verschoben. 900 Millionen Euro machten im Vorjahr die Schulden aus, heuer soll es mehr als eine Milliarde sein. Heißt: Der Ex-Monopolist steht wieder einmal am Rand der Pleite.

Seit 1974 hat der Staat mit knapp acht Milliarden Euro interveniert, um die Fluggesellschaft zu retten. In der Zahl sind die 2007 bis 2015 eingeflogenen Verluste von 2,4 Milliarden Euro nicht enthalten. Nicht nur die Steuerzahler mussten blechen. Die Alitalia-Beteiligung belastet auch die Mailänder Großbanken Unicredit (zwölf Prozent) und Intesa Sanpaolo (20 Prozent), die einst – nolens volens – eine Beteiligung eingingen. Nicht zuletzt lastet Alitalia auch auf der Bilanz der staatlichen Poste Italiane, die mit 19 Prozent eingestiegen war, um eine logistische Kooperation mit Etihad-Alitalia einzugehen. Von einer solchen ist bisher keine Spur zu sehen.

Umschuldung notwendig

Mehrere Möglichkeiten stehen nun zur Diskussion, um Alitalia neuerdings vor dem Untergang zu retten. Die Gläubigerbanken sollen eine Umschuldung und neue Kredite gewähren. Eine Kapitalaufstockung ist insofern keine Alternative, als Etihad auf Basis der EU-Regeln nicht mehr als 49 Prozent an einer Airline im Binnenmarkt halten darf. Die anderen Aktionäre sind allerdings nicht gewillt, weiteres Kapital in die marode Fluggesellschaft zu investieren.

Als Ausweg wird in Regierungskreisen ein Einstieg weiterer Investoren kolportiert. Die halbstaatliche Auffanggesellschaft Cassa Depositi e Prestiti könnte sich vorübergehend beteiligen, ebenso die Staatsbahn Ferrovie dello Stato (FS). Diese könnte einen Allround-Verkehrskonzern bilden, der in den Bereichen Flug (Alitalia), Bahn (FS), Schiffsverkehr und Straßenbau (Anas) tätig wäre. Die Hoffnung: Es findet sich doch eine EU-Airline, die Alitalia übernimmt. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 5.12.2016)

  • So ruhig dürfte Alitalia nicht mehr lang fliegen, es fehlt an Geld.
    foto: ap / luca bruno

    So ruhig dürfte Alitalia nicht mehr lang fliegen, es fehlt an Geld.

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