Flüchtlingstragödie in Wörgl: Zustand von drittem Opfer sehr kritisch

4. Dezember 2016, 12:22
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Verunglückte wurden auf Bahnhof von Schwerfahrzeugen überrollt – Identitätsklärung bisher erfolglos

Wörgl – Der Zustand des dritten Opfers der Flüchtlingstragödie mit zwei Toten am Bahnhof Wörgl ist am Sonntag nach wie vor "sehr kritisch" gewesen. Der Schwerstverletzte befand sich laut Polizei auf der Traumatologischen Intensivstation der Innsbrucker Klinik. Die Obduktion der beiden Toten soll am Montag durchgeführt werden.

Die Identität der beiden Männer und der Frau, die in der Nacht auf Samstag beim Entladen eines Güterzuges der sogenannten Rollenden Landstraße im Bahnhof Wörgl von Schwerfahrzeugen überrollt worden waren, war nach wie vor unbekannt. Erste Abklärungsversuche verliefen negativ, so die Exekutive. Die weiteren Überprüfungen wurden über das Bundeskriminalamt eingeleitet, hieß es. Die ÖBB kündigte indes verstärkte Kontrollen der über den Brenner kommenden Güterzüge im Bahnhof Innsbruck an.

Der Zug, die Lkws auf der Schiene transportiert, war laut Polizeiangaben am Freitag um 20.04 Uhr in Verona gestartet und hatte von 22.19 bis 23.46 Uhr am Brenner einen Zwischenstopp eingelegt. Am Zielbahnhof Wörgl kam er am Samstag kurz nach 1 Uhr an. Wo die drei Flüchtlinge, die vermutlich versucht hatten, nach Deutschland zu gelangen, auf den Zug gestiegen waren, sei Gegenstand der Ermittlungen.

Der Entladevorgang wurde gegen 1.30 Uhr gestartet. Laut derzeitigem Ermittlungsstand wurden die Verunglückten von zwei Schwerfahrzeugen überrollt. "Die Lenker hatten die Personen wegen der Dunkelheit nicht bemerkt, obwohl sie zuvor die Keile unter den Fahrzeugen entfernt hatten", sagte ein Polizist der APA. Einer der Fahrer musste vom Kriseninterventionsteam betreut werden.

Die Ermittler gingen davon aus, dass die drei Flüchtlinge bei der Ankunft im Bahnhof Wörgl aufgrund der Kälte und des eisigen Fahrtwindes bereits bewusstlos bzw. erfroren waren. "Die Lkw hatten nämlich rund 15 Minuten vor dem Entladen bereits den Motor angelassen", erklärte ein Beamter, was notwendig sei, um die Fahrzeuge hydraulisch wieder hochzufahren. Da sie beim Starten der Motoren nicht weggelaufen sind bzw. sich in Sicherheit gebracht haben, lasse vermuten, dass sie bewusstlos gewesen sind, so die Annahme, die aber erst durch die morgige Obduktion bestätigt werden müsse.

Die Tiroler Polizei hatte seit Freitag Güterzüge in Zusammenarbeit mit den ÖBB in Innsbruck stichprobenartig durchsucht, weil die Tage zuvor wiederholt Flüchtlinge bei Kontrollen in Bayern aufgegriffen worden waren. Der Zug Freitagabend war aber nicht darunter.

Kontrollen an Bahnhöfen in Italien

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) zeigte sich betroffen. Derartige Fälle dürften sich nicht wiederholen. Der schreckliche Unfall zeige, dass alles getan werden müsse, um illegale Migration zu unterbinden, so Tirols Landeschef: "Dazu sind Kontrollen im Grenzraum Brenner, aber auch in Zügen und an Bahnhöfen notwendig".

Damit es nicht mehr zu solchen Tragödien wie in Wörgl kommt, brauche es "frühzeitige Kontrollen an Bahnhöfen in Italien", meinte Platter in einer Aussendung am Sonntag. Diese seien oft Ausgangspunkte dieser lebensgefährlichen Reisen Richtung Norden". Platter hob in diesem Zusammenhang das "rasche Handeln der Tiroler Polizei und der ÖBB hervor". Diese hätten bereits in den vergangenen Tagen ihre Kontrolltätigkeit erhöht. (APA, 4.12.2016)

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