Überarbeitung der Zumutbarkeitsregeln für AMS-Chef kein Tabu

3. Dezember 2016, 16:36
572 Postings

Johannes Kopf fordert mehr Mobilität von Arbeitssuchenden und hält eine einheitliche Mindestsicherung bei der Jobsuche für Asylberechtigte für wichtig

Wien – Die Ausbildung entscheidet über die Jobchancen. Aber auch mehr Mobilität der Österreicher würde helfen, die Arbeitslosigkeit zu senken, sagte AMS-Chef Johannes Kopf am Samstag im ORF-"Mittagsjournal". Köche und Kellner werden in den westlichen Tourismusregionen händeringend gesucht, in Wien sind viele von ihnen arbeitslos. Aber "es ist nicht einfach, Leute aus Wien, aus der Stadt, nach Tirol zu bringen".

Zumutbar sei dies, falls es bei der Arbeitsstelle eine Unterkunft gebe und der Betroffene keine Betreuungspflichten habe, versicherte Kopf. Dennoch ist auch eine Überarbeitung der Zumutbarkeitsbestimmungen für ihn kein Tabu: "Wir werden uns das Thema sicherlich jetzt noch einmal intensiv anschauen."

Der AMS-Chef betonte "Im Journal zu Gast" die Harmonisierung der Mindestsicherung in den Bundesländern als wichtige Voraussetzung für die Jobvermittlung. Denn Kopf geht davon aus, dass nächstes Jahr deutlich mehr Menschen in Österreich Asyl erhalten und sich dann arbeitslos melden werden. Um diese Menschen in Jobs zu bringen, wäre es sehr wichtig, sie überregional vermitteln zu können, insbesondere auch als Lehrlinge. Wenn aber ein Betroffener in Wien 800 Euro bekommt, "wenn er nichts tut", in Oberösterreich aber nur 570 Euro Lehrlingsentschädigung, "dann werden uns die Argumente fehlen, warum das jemand tun soll".

Wetter entscheidend

Ob es im heurigen Winter über 500.000 Arbeitslose geben wird – im Vorjahr gab es 490.000 Betroffene – hänge vor allem am Wetter. Sollte schon im Dezember Schnee in den Tälern liegen, dann dürfte es mehr Arbeitslose als im Vorjahr geben, weil so viele Menschen am Bau den Job verlieren. Bei einem milden Winter könnte es hingegen in einzelnen Monaten auch weniger Arbeitslose als im Vorjahr geben – dann dürfe man sich aber nicht zu früh freuen. Kopf rechnet damit, dass sich das Wirtschaftswachstum 2017 abschwächt und mehr Asylwerber auf den Arbeitsmarkt kommen, daher sei mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu rechnen. Eine Trendwende sei eher erst 2020 zu erwarten – wenn dann aus demografischen Gründen das Angebot an Arbeitskräften sinken sollte.

Die Digitalisierung der Wirtschaft – Stichwort "Industrie 4.0" – sieht Kopf hingegen nicht als Auslöser für Massenarbeitslosigkeit. "Ich glaube nicht, dass uns die Arbeit ausgeht", sagte er. Es könnte nur einen Mangel an Qualifikation und guter Ausbildung geben. Wer einmal etwas gelernt habe, könne sich auch umorientieren: "Ein trainiertes Hirn lernt leichter", so Kopf. (APA, 3.12.2016)

  • Johannes Kopf geht davon aus, dass nächstes Jahr deutlich mehr Menschen in Österreich Asyl erhalten und sich dann arbeitslos melden werden.
    foto: standard/hendrich

    Johannes Kopf geht davon aus, dass nächstes Jahr deutlich mehr Menschen in Österreich Asyl erhalten und sich dann arbeitslos melden werden.

Share if you care.