Anleger hoffen auf Bescherung durch Draghi

3. Dezember 2016, 12:59
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Geht es nach Einschätzung von Experten, wird die EZB diese Woche verkünden, das Quantitative Easing länger laufen zu lassen

Frankfurt/New York – Brexit, US-Wahl, "Renzirendum" : Zum Abschluss eines turbulenten Börsenjahres sehnen sich Anleger nach Balsam für ihre aufgewühlten Seelen. Diesen wird Experten zufolge die Europäische Zentralbank (EZB) liefern, wenn sie in der neuen Woche die Fortsetzung ihres Wertpapier-Ankaufprogramms verkündet. "Dr. Draghi verlängert die Therapie", sagt Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. EZB-Chef Mario Draghi werde am Donnerstag wohl verkünden, das sogenannte Quantitative Easing (QE), das bislang bis "mindestens März 2017" laufen soll, weitere sechs Monate laufen zu lassen. Das Volumen von monatlich 80 Milliarden Euro werde voraussichtlich unverändert bleiben.

Die Maßnahme der EZB könnte Börsianern zufolge die Grundlage für eine Jahresendrally des Dax legen, der in der alten Woche 1,7 Prozent auf 10.513 Punkte verlor. Auch der heimische Leitindex ATX schloss am Freitag im Minus. "Es bleibt zu hoffen, dass das Referendum in Italien nicht nur eine Ausrede für die wochenlange Zurückhaltung war", sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Denn langfristig ist die Abstimmung in Italien nur eine von vielen lauernden Unsicherheitsfaktoren in der Politik der Euro-Zone. Die Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und auch in Deutschland werfen jetzt schon einen langen Schatten auf die Börse."

In der neuen Woche müssen Investoren erst einmal das Ergebnis des Verfassungsreferendums in Italien sowie der Bundespräsidentenwahl in Österreich verdauen. "Beide Abstimmungen könnten den Rechtspopulisten und Europakritikern auf ihrem Weg in die Parlamente und Regierungen Auftrieb verleihen und damit das schon fragile Gebilde Europäische Union weiter beschädigen", warnt CMC-Experte Stanzl. Die EZB will eventuelle Kursturbulenzen allerdings mit verstärkten Stützungskäufen italienischer Staatsanleihen abfedern. (Reuters, 3.12.2016)

  • EZB-Präsident Draghi
    foto: reuters/medina

    EZB-Präsident Draghi

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