Studie: Viele deutsche Jugendliche süchtig nach Games

    2. Dezember 2016, 16:38
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    Vor allem junge Männer laut Studie überdurchschnittlich hoch betroffen – Bundesdrogenbeauftragte will strengere Regeln

    Viele Jugendliche in Deutschland haben ein Abhängigkeitsproblem in Bezug auf Computerspiele. Das zeigt ein Report der Deutschen Krankenkasse DAK und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ). Ihm zugrunde liegt eine von Forsa durchgeführte Umfrage unter 1.531 Personen zwischen zwölf und 25 Jahren.

    Über acht Prozent der jungen Männer betroffen

    Dabei zeigte sich: Nach den Kriterien der Auswertung sind über acht Prozent der männlichen Befragten als videospielsüchtig anzusehen, bei Frauen drei Prozent. Herangezogen wurde die in den USA entwickelte "Internet Gaming Disorder Scale". Diese konfrontiert Teilnehmer mit neun Fragen, etwa über die Vernachlässigung von Freunden zugunsten der Games, die Geheimhaltung von Spielzeiten oder Videospielen als Ursache für Streit. Als süchtig eingestuft wird, wer wenigstens fünf der Fragen bejaht, fasst die "Zeit" zusammen.

    Jene, die diese Kriterien erfüllen, kommen im Schnitt auf drei bis vier Stunden täglicher Spielzeit. Dabei gab es auch interessante Teilergebnisse. So sagen etwa 89 Prozent der 12- bis 14-jährigen männlichen Teilnehmern, wegen Games häufig in Streit mit den Eltern zu geraten.

    Rollenspiele besonders anziehend

    Der medizinische Leiter des DZSKJ, Rainer Thomasius, spricht von etwa 400 Betroffenen jährlich, die man in diesem Bereich behandeln würde. Der Suchtgrad sei dabei je nach Spiel unterschiedlich. Überdurchschnittlich oft vertreten seien junge Konsumenten von Rollenspielen, was er dem hohen Identifikationspotenzial der vom Spieler oft umfassend anpassbaren Avatare zuschreibt.

    Als Beispiel genannt wurde das populäre Online-Rollenspiel "World of Warcraft". Besonders schüchtere und gehemmte junge Männer würden von den Möglichkeiten solcher Games angesprochen.

    Drogenbeauftragte will strengeren Jugendschutz

    Während Thomasius für weitere Erforschung des Phänomens wirbt, fordert die deutsche Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) stärkere Vermittlung von Medienkompetenz an Kinder und Eltern und strengeren Jugendschutz ob dieser "beunruhigenden" Situation.

    Gamesabhängigkeit solle als eigenes Krankheitsbild anerkannt und etwa die Altersfreigabe "ab 0 Jahren" für Spiele gestrichen werden, schreibt Golem. Laut Mortler seien mittlerweile mehr junge Menschen von Spielen abhängig, als von konventionellen Drogen. (gpi, 02.12.2016)

    • Insbesondere Rollenspiele sollen erhöhtes Suchtpotenzial bieten.
      foto: world of warcraft

      Insbesondere Rollenspiele sollen erhöhtes Suchtpotenzial bieten.

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