Wenn der Koffer im Flug verschwindet

3. Dezember 2016, 15:00
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Im Idealfall landen Fluggast und Koffer zur selben Zeit am selben Ort. Wenn dem nicht so ist, hat der Passagier genau geregelte Rechte

Der Urlaub ist gebucht, die Koffer sind gepackt, der Flug überstanden. Dann lange Gesichter am Gepäckausgabeband: Er ist nicht da. Kaum etwas trübt die Urlaubsfreude so wie ein verlorengegangener Koffer.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Koffer nicht da ankommt, wo er hingehört, ist nicht so gering. 6,5 Gepäckstücke pro tausend Passagiere werden fehlgeleitet. Statistisch also jedes 150 Stück. Zu diesem Resultat kommt eine Erhebung des belgischen Lufttransport-IT-Unternehmens Sita (Société Internationale de Télécommunications Aéro nautiques). Weltweit gehen jährlich 22,5 Millionen Gepäckstücke verloren beziehungsweise kommen verspätet oder demoliert an. 2016 ist sogar ein leichter Anstieg der Schadenshäufigkeit zu verzeichnen.

Österreich vor Griechenland

Besonders häufig wurden 2015 Schäden von Reisenden nach Ungarn (27,61 Prozent), in die USA (22,18 Prozent), nach Spanien (20,20 Prozent), Italien (13,97 Prozent), Thailand (10,15 Prozent) und Ägypten 6,51 Prozent) gemeldet. Im unteren Mittel liegen die Türkei (4,21 Prozent), Österreich (4,11 Prozent) und Griechenland (3,47 Prozent). Welchen Fluglinien wie oft Gepäckstücke abhandenkommen, wurde nicht erhoben.

"Austrian Airlines führt täglich circa 350 Flüge durch und transportiert dabei rund 25.000 Gepäckstücke. 99,4 Prozent kommen ordnungsgemäß an – im Umkehrschluss: 0,6 Prozent der Gepäckstücke kommen nicht zeitgleich mit dem Passagier an. Davon wird rund die Hälfte innerhalb von 24 Stunden, rund 65 Prozent innerhalb von 48 Stunden zugestellt, der Rest in den folgenden Tagen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass man zwar immer wieder von 'verlorenem Gepäck' spricht, dass aber das Gepäck, wenn es bei der Ankunft des Passagiers nicht am Förderband ist, nicht automatisch verloren ist, sondern in der Regel nur verspätet ankommt", erklärt AUA-Pressesprecher Wilhelm Baldia.

Entschädigung

Zu "Irrläufern" kommt es vor allem beim Umladen auf Transitflügen. Aber auch die Missachtung von Fluglinienvorgaben, eine Verwechslung von Gepäckstücken oder ein Problem mit der Security kann eine Rolle spielen, ebenso extreme Wetterverhältnisse oder Streiks, heißt es in dem Bericht. Der Großteil der verlorengegangenen Koffer taucht immerhin nach 48 Stunden wieder auf. Steht man gänzlich ohne oder mit beschädigtem Koffer da, sollte ehestmöglich bei der Gepäckermittlung direkt am Flughafen reklamiert werden. Seit 1999 regelt das Montrealer Übereinkommen die Haftung von Fluglinien für Gepäckschäden (Handgepäck ausgenommen). Darin ist festgelegt, dass Passagiere umgerechnet bis zu 1.270 Euro Entschädigung bekommen. Abflug- und Ankunftdestination müssen allerdings in einem Staat liegen, der das Abkommen unterzeichnet hat. Seit 2004 gilt das auch für Österreich und Deutschland.

Außerdem steht es den Betroffenen laut Abkommen zu, sich auf Kosten der Fluglinie einen notwendigen und gut begründeten Ersatz anzuschaffen. Der sogenannte Schadensminderungsgrundsatz schreibt allerdings vor, dass die Kosten so gering wie möglich zu halten sind. Sobald der Koffer auftaucht, meldet sich die Fluglinie und vereinbart einen Übergabe- beziehungsweise Zustelltermin. Zumindest muss man nach all dem Ungemach nicht selbst erneut zum Flughafen "koffern". (red, 3.12.2016)

  • Das Warten am Förderband kann schon einmal lange dauern. Manchmal ist es allerdings vergebens.
    foto: standard/regine hendrich

    Das Warten am Förderband kann schon einmal lange dauern. Manchmal ist es allerdings vergebens.

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