"iCOP": Interpol lässt künstliche Intelligenz nach Kinderpornos fahnden

3. Dezember 2016, 10:16
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Maschinenlern-Algorithmus sichtet neues Bildmaterial und soll schnellere Hilfe für Opfer ermöglichen

Maschinenlernen revolutioniert immer mehr Bereiche der Computertechnologie. Systeme, die auf Basis der elektronischen Nachbildung organischer Gehirne in der Lage sind, selber aus großen Datenmengen zu lernen, werden immer leistungsfähiger und nützlicher.

Auch bei der Verbrechensaufklärung hält die Technologie Einzug. Im Kampf gegen Kinderpornografie setzt nun auch die internationale Polizeiorganisation Interpol auf die künstlichen Denkorgane. Ein System namens "iCOP" verspricht dabei nicht nur Entlastung, sondern auch besseren Opferschutz, berichtet Wired.

Computer fand bisher nur Altbestand

Schon bisher wurde die Arbeit von Interpol von automatisierten Systemen gestützt. So hat man den historischen Bestand an Bildmaterial von einer Software durchforsten und für jede einzelne Abbildung Signaturen erzeugen lassen. Neue Einträge wurden damit abgeglichen. Durch Treffer konnte man schnell feststellen, wann und wo die bereits bekannten Aufnahmen immer noch verbreitet werden.

Doch bislang unbekannte Fotos werden auf diesem Wege nicht erkannt. Hier müssen die Ermittler sich immer noch manuell in die Tiefen des Internets wagen und Bilder sichten. Doch auch hier soll künftig der Computer mit eingreifen.

KI findet neue Bilder und Videos

Entwickelt wurde iCOP von Forschern der University of Lancaster, dem irischen University College Cork und am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Es kombiniert Text- und Bildanalyse mit Maschinenlernen. Das System ist in der Lage, neues Material, das in einschlägigen Netzwerken kursiert, zu erkennen.

Dies ist wichtig, um kürzlich geschehenen oder noch andauernden Kindesmissbrauch zu erkennen. Denn das Bildmaterial gelangt oft über die Täter oder ihnen nahestehende Personen erstmals ins Netz. Laut dem US National Center for Missing and Exploited Children haben 16 Prozent aller Leute, bei denen entsprechendes Material auf ihren Rechnern gefunden wurde, selber auch Kinder körperlich missbraucht.

Das iCOP-System wurde zum Training mit zehntausenden Bildern und Videos gefüttert, reichend von gewaltfreien Inhalten über normale Pornos bis hin zu Kindesmissbrauch und soll sehr zuverlässig dabei sein, derlei Aufnahmen und auch alte und neue Fotos voneinander zu unterscheiden. Die Rate der Falscherkennungen lag im Test mit der Interpol-Datenbank bei 7,9 Prozent für Fotos und 4,3 Prozent bei Videos.

Geringerer Aufwand, weniger Leid für Opfer

Ermittler müssen sich künftig also durch deutlich weniger, teils traumatisierend wirkende Aufnahmen arbeiten. Die schnelle Erkennung von neuem Material beschleunigt auch die Ausforschung und den Zugriff und kann damit Opfern potenziell weiteres Leid ersparen.

Eine wichtige Hürde muss iCOP jedoch noch nehmen. Denn derzeit kann das System nicht in den verschlüsselten Netzwerken im Darknet eingesetzt werden, wo erhebliche Mengen an Kinderporno-Inhalten ausgetauscht werden dürften. Eine entsprechende Adaption haben die Forscher aber bereits im Auge. (gpi, 03.12.2016)

  • Interpol rüstet im Kampf gegen Kinderpornographie auf.
    foto: reuters

    Interpol rüstet im Kampf gegen Kinderpornographie auf.

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