Krisenbetreuung nach Bluttat mit sechs Toten in Böheimkirchen

2. Dezember 2016, 15:49
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Psychologen betreuen Volksschulkinder – Obduktionen dürften mehrere Tage in Anspruch nehmen

Böheimkirchen – Nach dem Fund von sechs Toten in Böheimkirchen im Bezirk St. Pölten-Land sind die örtlichen Volksschulkinder am Freitag von einem Krisenteam psychologisch betreut worden. Eine 35-jährige Frau dürfte ihre Mutter, ihren Bruder, ihre drei Kinder – ein neun- und ein zehnjähriger Sohn sowie eine siebenjährige Tochter – und anschließend sich selbst erschossen haben. Die Kinder hatten die Volksschule besucht. Drei Schulpsychologinnen und ein Beratungslehrer boten Einzel- und Gruppengespräche an. Das Team werde "immer wieder vor Ort sein", sagte Andrea Richter, Leiterin der Abteilung Schulpsychologie in Niederösterreich.

Die Tat wurde vermutlich bereits vor mehreren Tagen verübt. Die Faustfeuerwaffe sei auf die 59-jährige Mutter der mutmaßlichen Täterin registriert gewesen, hieß es von der Staatsanwaltschaft St. Pölten. Nach der Tat werde in Richtung Mord und Suizid ermittelt, sagte eine Sprecherin. Auch der Hund der Familie wurde getötet. Das Motiv für die Bluttat war vorerst unklar und "ist Gegenstand von Ermittlungen", sagte die Behördensprecherin weiter. Sie verwies zudem darauf hin, dass die Obduktion der Opfer wohl mehrere Tage in Anspruch nehmen werde.

"Wir trauern um die Familie"

Der Böheimkirchener Bürgermeister Johann Hell (SPÖ) und die Direktorin der Volksschule, Silvia Riedler, zeigten sich am Freitag in einem Pressegespräch tief betroffen. "Wir trauern um die Familie", sagte der Bürgermeister. Die sechs Personen wohnten laut Hell seit April 2015 im Ortsteil Schildberg in einem ehemaligen Gasthaus, das die Familie gekauft hatte.

Die Mutter hatte die Kinder am Montag vergangener Woche in der Schule für einige Tage entschuldigt – laut der Direktorin mit der Begründung, dass die Großmutter gestorben sei. Die Mutter habe von einem großen Schock für die Familie gesprochen, "deshalb haben wir uns gar nichts dabei gedacht". Das getötete Mädchen hatte die erste, die beiden Brüder die dritte und vierte Klasse besucht. Die Kinder waren laut Riedler "gut integriert", es habe sich um eine "ganz normale Familie" gehandelt.

Psychologenteam in der Schule

Die sechs Leichen wurden am Donnerstag in dem Einfamilienhaus gefunden, weil der Arbeitgeber eines der Opfer Alarm geschlagen hatte. Auch Nachbarn war aufgefallen, dass es sehr ruhig war in den vergangenen Tagen. Die Kinder waren weder zu sehen noch zu hören gewesen. (APA, 2.12.2016)

In einer Erstversion hieß es hier, dass die Söhne Zwillinge waren – sie waren aber unterschiedlich alt (9 und 10 Jahre). Wir bedauern den Fehler.


Hilfseinrichtungen für Personen, die sich in einer Krise befinden oder Suizidgedanken haben:

kriseninterventionszentrum.at

Soforthilfe:

Psychiatrische Soforthilfe (0–24 Uhr): 01/313 30

Kriseninterventionszentrum (Mo–Fr 10–17 Uhr): 01/406 95 95

Rat und Hilfe bei Suizidgefahr: 0810/97 71 55

Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01/310 87 79

Telefonseelsorge (0–24 Uhr, kostenlos): 142

Rat auf Draht (0–24 Uhr, für Kinder & Jugendliche): 147

Sorgentelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Mo–Sa 14–18 Uhr, kostenlos): 0800/20 14 40

Männernotruf Steiermark: 0800 246 247

  • Kerzen vor jenem Haus in der Marktgemeinde Böheimkirchen.
    foto: apa/helmut fohringer

    Kerzen vor jenem Haus in der Marktgemeinde Böheimkirchen.

  • Der Böheimkirchener Bürgermeister Johann Hell (SPÖ) und die Direktorin der Volksschule, Silvia Riedler, zeigten sich am Freitag bei einer Pressekonferenz bestürzt.
    foto: apa/fohringer

    Der Böheimkirchener Bürgermeister Johann Hell (SPÖ) und die Direktorin der Volksschule, Silvia Riedler, zeigten sich am Freitag bei einer Pressekonferenz bestürzt.

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