Coworking: Schreibtisch für gewisse Stunden

3. Dezember 2016, 09:00
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Professionell gemanagtes Coworking auf modernen Flächen ist in Wien noch rar. Mit dem Orbi Tower im dritten Bezirk könnte sich das ändern

Coworking ist am New Yorker Times Square heute ebenso möglich wie in Seoul und Tel Aviv. In 33 Städten hat der amerikanische Anbieter We Work flexibel mietbare Coworking-Flächen im Angebot.

Auch in Berlin gibt es schon zwei Locations des Branchenriesen, der seinen Mietern Synergien mit anderen Nutzern verspricht. In Wien ist das Unternehmen bisher nicht aktiv. "Wir schauen uns immer die größeren Städte an, bei denen wir uns eine vibrierende We-Work-Community vorstellen können", heißt es vonseiten des Unternehmens vage auf die Frage, ob denn Wien infrage komme.

"Die Coworking-Spaces, die es in Wien gibt, sind meistens handgestrickt", sagt Eugen Otto, Geschäftsführer von Otto Immobilien. Große, finanzkräftige Hauptmieter, die moderne Coworking-Flächen im großen Stil anmieten und das finanzielle Risiko tragen, gebe es in Wien nicht. Derzeit fehle noch das Bindeglied zwischen Coworkern und Vermietern.

Viel Potenzial

"Ich höre schon, dass ausländische Betreiber den Standort Wien prüfen. Es könnte sogar sein, dass sich heuer noch etwas tut", meint Alexander Fenzl, Büroexperte bei Otto Immobilien, bei einer Pressekonferenz vor kurzem. Das Potenzial ist groß, glaubt auch Felix Zekely, Büroexperte bei CBRE: Er sieht einen "klaren Wettbewerbsvorteil des First Movers: Es gibt so viele kleinere Coworking-Flächen in Wien. Wenn sich die alle zusammentun, dann könnte etwas Riesiges entstehen."

Der Orbi Tower im Büroviertel Towntown im dritten Bezirk wird im Sommer 2017 fertiggestellt. Er wirbt damit, die "Handschrift der neuen Arbeitswelt" zu tragen. Fünf von 26 Stockwerken werden hier vom als "Kooperationspartner" titulierten Unternehmen Work your way genutzt.

Das Konzept sei auf kurzfristige Anmietungen ausgelegt, sagt Ernst Machart, Vorstandsvorsitzender der IWS Towntown AG. Interesse gebe es schon – einerseits von "Fremden", die bisher nicht am Bürostandort Towntown präsent waren, andererseits auch von künftigen Mietern des Orbi Tower oder Unternehmen aus der Umgebung, die sich kurzfristig für Besprechungen einmieten wollen und daher auf teure, kaum genutzte Mietfläche im eigenen Büro verzichten.

Fünf Geschoße Flexibilität

Als Anbieter von Coworking will Alexander Strohmayer, Geschäftsführer von Workyourway, aber eigentlich gar nicht bezeichnet werden: "Eigentlich bieten wir ein System wie Car2Go für die Büroinfrastruktur an", erklärt er. "Damit soll die Interessenlücke zwischen dem Vermieter, der eine langfristige Vermietung, und dem Mieter, der flexibel sein will, überbrückt werden."

Am Ende könnte von diesem Buchungssystem der gesamte Orbi Tower profitieren: Geht das Konzept auf den fünf zur Verfügung stehenden Stockwerken auf, dann könnten auch anderswo im Turm Flächen, die von Unternehmen temporär nicht benötigt werden, ins System gestellt und untervermietet werden, kündigt Strohmayer an. Denn ein Unternehmen sei wie ein Schwamm: Wenn es besser laufe, werde es größer. Laufe es schlechter, schrumpfe es: "Optimalerweise sollte sich auch der Raum so verhalten."

Nur eines der fünf Stockwerke im Orbi Tower ist als klassischer Coworking-Bereich mit Schreibtischen, die stundenweise gemietet werden können, konzipiert. Dort wird es laut Strohmayer auch Wellnessbereiche, ein Fitnesscenter und eine Sauna geben. Auch Kommunikationsbereiche zum Netzwerken untereinander sind dort vorgesehen – ein wichtiges Argument für Coworker.

DC Tower und Millennium Tower

Ein weiteres Stockwerk wird laut Machart kurzfristig mietbare Besprechungsräume bieten, ein anders auf repräsentative, hochwertige Räumlichkeiten setzen. Die übrigen zwei Stockwerke seien klassische Bürogeschoße. Die Preise werden nicht verraten.

Als Experte für Coworking präsentiert sich auch Regus, ein internationaler Anbieter servicierter Büroflächen. In Österreich hat das Unternehmen im Vorjahr Flächen im DC Tower und im Millennium Tower neu angemietet, die im Jänner bzw. März eröffnet werden, kündigt Alisa Kapic, Country-Director für Österreich, an. Für 2017 seien noch weitere Anmietungen in Wien und den Bundesländern geplant.

An sämtlichen Standorten stehen nicht nur Büros, sondern auch flexibel mietbare Schreibtische in sogenannten Spaces zur Verfügung. Diese seien "auch für Menschen, die nicht jeden Tag mit dem Anzug ins Büro kommen", so Kapic: "Bei uns kann man zum Beispiel einen Tag auf der Mariahilfer Straße, einen am Fleischmarkt und am dritten Tag in einem unserer Salzburger Büros arbeiten."

Neues Konzept

Die Klientel: Kreative Freiberufler, aber beispielsweise auch Sales-Manager, die von zu Hause aus arbeiten, dort aber nicht die passende Infrastruktur haben: "Die meisten fühlen sich einfach besser, weil sie nicht allein sind." Um der Community zu helfen, Kontakte zu knüpfen, würden regelmäßig Events veranstaltet, so Kapic – zuletzt etwa zum Thema "Feng-Shui in meinem Büro".

In den USA ist man schon wieder weiter: In New York und Washington hat We Work mittlerweile auch We Live im Angebot, bei dem nicht nur Büros, sondern auch Apartments von den jungen Kreativen geteilt werden: "Wir sind nur so gut, wie die Menschen, mit denen wir uns umgeben", so das Credo auf der Homepage. Ob sich dieses Konzept irgendwann in Wien durchsetzen wird, ist fraglich. (Franziska Zoidl, 3.12.2016)

  • Von Coworking erwarten sich die Kunden nicht nur Platz zum Arbeiten, sondern auch ein soziales Netzwerk.

    Von Coworking erwarten sich die Kunden nicht nur Platz zum Arbeiten, sondern auch ein soziales Netzwerk.

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