Smartes Schachbrett bewegt Figuren wie von Geisterhand

3. Dezember 2016, 09:52
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Soll sich auch für andere Brettspiele nutzen lassen – erfolgreich per Crowdfunding finanziert

In einem spektakulären Finale, das bis ins Tiebreak ging, hat der Norweger Magnus Carlsen seinen Weltmeistertitel im Schach erfolgreich gegen den Russen Sergej Karjakin verteidigt. Selten hat der Bewerb so großes öffentliches Interesse erregt, wie heuer.

Schach wird mittlerweile nicht nur am klassischen Brett, sondern auch fleißig online gespielt. Jeden Tag messen sich Millionen Menschen auf verschiedenen Plattformen im "Spiel der Könige". Das Start-up Infivention will nun beide Welten miteinander vereinen – und arbeitet an einem Schachbrett, auf dem die Figuren sich wie von Geisterhand von selber bewegen.

square off

Roboterarm und App

"Square Off" heißt der moderne Zugang zum altehrwürdigen Spiel. Oberflächlich sieht die Erfindung aus, wie ein klassisches Holzbrett mit seinen gewohnten acht Mal acht Feldern und dazu passenden Figuren. Doch die Technik darunter soll die Präsenz des Gegners vermitteln, selbst wenn dieser seine Züge aus tausenden Kilometern Entfernung austüfelt.

In dem Brett aus MDF steckt ein kleiner Roboterarm mit Magnetkopf, der sich knapp unter der Oberfläche befindet. Gesteuert wird dieser von einem Arduino Mega 2560-Chip. Dieser beherbergt einen Atmel Atmega 2560-Controller mit kleiner 8-Bit-CPU mit Rechentakt von 16 MHz sowie 256 Kilobyte Speicherplatz. Mittels Bluetooth LE-Modul erfolgt die Anbindung an eine Smartphone-App.

Die Software für Android-Smartphones und iPhones erteilt die Befehle an Square Off. Diese kommen entweder von einer künstlichen Intelligenz – unterstützt werden aktuell die Schach-Engines Stockfish 7 und Cuckoo – oder Gegnern aus dem Internet. Dazu kooperiert man mit der Plattform Playchess des Schachportals Chessbase.

foto: infivention

Auch für andere Spiele nutzbar

Die Spielfiguren sind ihrerseits mit magnetischen Böden ausgestattet. Das ermöglicht es dem Roboterarm, sie durch die Kraft der Anziehung unsichtbar über das Feld zu ziehen. Über die App können Spielstände auch gespeichert und wiederhergestellt werden. Dazu bietet sie optionale Zusatzfunktionen wie Audiokommentare zum Spielverlauf, Anzeige erlaubter Züge oder Zugriff auf vorgefertigte Eröffnungen.

Entwickelt wurde das Projekt seit 2013, ursprünglich wollte man nur ein Schachbrett für Menschen mit Sehbehinderungen umsetzen. Mittlerweile träumt man von der "Zukunft des Brettspiels". Denn lediglich durch einen Austausch der Abdeckung mit einem anderen Spielfeld und einem Update der App ließe sich Square Off mit zahlreichen anderen analogen Games verwenden.

Die Schach-Variante wurde bereits auf mehreren Messen für Elektronikbastler, zuletzt auf der World Maker Faire in New York und der Maker Faire in Rom, vorgeführt. Für die erste Serienproduktion wollte man über das Crowdfundingportal Kickstarter Geld sammeln und bekam über 170.000 Euro zusammen.

foto: infivention

Weit entwickelt

Die Produktion soll im Jänner anlaufen, die ersten Lieferungen im April beginnen. Auch nachträglich kann noch über Indiegogo in das Projekt investiert werden, je nach Größe des Bretts werden 249 oder 299 Dollar (derzeit 234 oder 281 Euro) fällig, nach Österreich kommen weitere 30 bzw. 40 Dollar für das Porto hinzu. Das "Kingdom Set" misst 486 x 486 x 75 Millimeter, das "Grand Kingdom Set" bietet bei 621 x 486 x 75 Millimeter zusätzlich einen "Parkplatz" für geschlagene Figuren.

Die Investition in Crowdfundingprojekte ist natürlich mit einem gewissen Risiko behaftet. "Square Off" erscheint jedoch in der Entwicklung weit fortgeschritten. Die Kooperation mit Chessbase sowie bisherige Berichterstattung über das Projekt lassen die Ausfallswahrscheinlichkeit gering erscheinen. (gpi, 03.12.2016)

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