Doppelgleisigkeit bei Akkreditierung

9. Dezember 2016, 11:11
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Jeder neue Studiengang muss akkreditiert werden, zusätzlich wird die Qualität der Institution durch periodische Audits überprüft. Die Fachhochschulkonferenz fordert ein Ende dieser Doppelgleisigkeit

Wien – Bis zu zwei Jahre kann es dauern, bis ein neuer Studiengang auch tatsächlich an einer Fachhochschule angeboten werden kann. Neun Monate dauert in der Regel die Akkreditierung eines neuen Studiengangs durch die Agentur für Qualitätssicherung und Audits Austria (AQ Austria). "Danach fällt die Entscheidung", sagt Kurt Koleznik, Generalsekretär der Fachhochschulkonferenz (FHK). "Und in den wenigsten Fällen ist der Entscheid negativ", ergänzt er.

Für Koleznik ein Zeichen, dass die Fachhochschulen mittlerweile über genug Routine und auch Expertise verfügen, um den Bedarf an neuen Studiengängen richtig einschätzen zu können. Immerhin sind Fachhochschulen seit über 20 Jahren Bestandteil der österreichischen Bildungslandschaft. Geht es nach den Wünschen der FHK, könnte diese Hürde wegfallen, ohne dass die Qualität auf der Strecke bleibt. Denn durch die Akkreditierung der Institution und die folgenden Audits werde die Qualität ohnehin regelmäßig kontrolliert.

Externe Qualitätskontrolle

"Qualitätssicherung ist die Aufgabe der Hochschulen. Der AQ Austria kommt hierbei die Rolle zu, die Rahmenbedingungen festzulegen. Die obrigkeitsstaatliche externe Qualitätskontrolle muss redimensioniert, die Qualitätsentwicklung noch stärker ins Zentrum gerückt werden. Diese ist in der Praxis Sache der jeweiligen Hochschule", betont Helmut Holzinger, Präsident der Fachhochschulkonferenz anlässlich des Fünf-Jahr-Jubiläums des Inkrafttretens des Hochschul-Qualitätssicherungsgesetzes (HS-QSG).

Holzinger stellt eine klare Forderung: "Für Fachhochschulen mit einem extern zertifizierten Qualitätsmanagementsystem muss die verpflichtende Akkreditierung für neue Studiengänge wegfallen." Denn derzeit müssen alle neuen Fachhochschulstudiengänge einer Erstakkreditierung unterzogen werden. Nicht akkreditierungspflichtig sind Lehrgänge zur Weiterbildung. Zusätzlich haben sich die Fachhochschulen alle sieben Jahre einem externen Audit des Qualitätsmanagementsystems zu stellen. Ein solches dauert zwischen einem und eineinhalb Jahre. Holzinger sieht darin eine unnötige Doppelgleisigkeit, denn die Prüfbereiche bei Audit und Akkreditierung überlappen sich weitestgehend, lautet der Einwand.

Nicht mehr zeitgemäß

"Es gibt hervorragende Beispiele aus der Praxis in anderen Ländern. Dort fällt für Fachhochschulen mit zertifiziertem Qualitätsmanagementsystem die externe Akkreditierung neuer Studiengänge weg", unterstreicht FHK-Präsident Holzinger. So wird bei neuen Studiengängen in Deutschland oder der Schweiz bereits auf die Erstakkreditierung verzichtet. Sobald eine Hochschule als Institution akkreditiert ist, ist es der Hochschule überlassen, welche Studiengänge sie anbietet.

"Das ist eine richtungsweisende Entwicklung, die auch für Österreich gewinnbringend wäre. Damit wird großes Vertrauen in die Autonomie der Hochschulen gesetzt, sie werden als Hauptverantwortliche für ihre Qualität und deren Sicherung anerkannt. Zudem erfolgt eine Förderung der institutionellen Dynamik. Wenn auch die AQ Austria für Österreich diesen erfolgreichen Weg einschlägt, kann sie sich der Unterstützung vonseiten der Fachhochschulen auch in Zukunft sicher sein", sagt Holzinger.

Nach fünf Jahre HS-QSG sei es Zeit, einige Punkte zu novellieren – die Erstakkreditierung neuer Studiengänge wäre einer dieser Punkte, so Koleznik. (Gudrun Ostermann, 3./4.12.2016)

  • Akkreditierung und Audits sind unnötige Doppelgleisigkeiten, lautet die Kritik der Fachhochschulkonferenz
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    Akkreditierung und Audits sind unnötige Doppelgleisigkeiten, lautet die Kritik der Fachhochschulkonferenz

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