Stinkerochen, Hexen: So feiert Europa Weihnachten

5. Dezember 2016, 15:10
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Reiseexperten haben eine Auswahl an europäischen Bräuchen zusammengestellt

Stinkerochen, die kulinarische Eigenart der Isländer

Besucher sollten sich im Weihnachtstrubel auf den Straßen nicht von dem strengen Geruch ablenken lassen, der aus so manchem Haus strömen könnte. Am Tag vor Weihnachten wird das traditionelle Fischgericht "kæst skata", zu Deutsch Gammel-Rochen, serviert. Damit der nur in Island vorkommende Fisch verzehrt werden kann, muss er mindestens vier Wochen fermentiert werden, was zu einem intensiven Geruch führt.

Auch bei Getränken zum Fest, lassen sich die Isländer etwas besonders einfallen: So präsentieren jedes Jahr lokale Brauereien verschiedene Sorten Weihnachtsbier, das zum Beispiel mit Zimt oder Orange gewürzt ist. Die isländische Low-Cost-Airline WOW air serviert diese Spezialität sogar an Bord und sorgt damit für weihnachtliche Stimmung über den Wolken.

foto: visitdenmark
In Dänemark gibt's Milchreis für die Wichteln.

In Dänemark wird an Weihnachten gewichtelt

Fröhlich und ausgelassen geht es in ganz Skandinavien an Weihnachten zu. Bei den Dänen dürfen dabei die sogenannten Nisser nicht fehlen: kleine Weihnachtskobolde, die sich als Figuren und Schmuck überall finden und dem Aberglauben zufolge für Glück oder Unglück im Haus sorgen. "Vor allem auf dem Land ist es noch heute Brauch, eine große Schüssel mit Milchreis auf den Dachboden zu stellen", weiß Johannes Reck, CEO von GetYourGuide. "Die Kinder schauen dann an Heiligabend ganz aufgeregt nach, ob die Nisser die Leibspeise gegessen haben." Das gilt dann als gutes Vorzeichen für das restliche Jahr.

Schlemmen wie Gott in Frankreich

Gourmets erleben an Weihnachten in Frankreich den Himmel auf Erden. Eric Davril, Leiter Produktabteilung des Online-Reiseportals weg.de, ist gebürtiger Franzose und weiß, worauf sich Urlauber beim "réveillon", dem Weihnachtsessen, freuen können: "Das Abendessen an Heiligabend wird stundenlang mit bis zu sieben Gängen zelebriert. Nach dem Aperitif folgen beispielsweise Schnecken oder Austern. Als Hauptgang gibt es meist einen gefüllten Truthahn. Je nach Region kommt auch ein Fischgericht auf den Tisch. Eine Käseplatte bildet den vorläufigen Abschluss des Dinners." Die Krönung bilden 13 Desserts, die an das letzte Abendmahl Jesu Christi erinnern. Zu den süßen Speisen gehören ein Baumkuchen, getrocknete Feigen sowie ein Kürbiskuchen. Die Geschenke gibt es übrigens erst nach Mitternacht oder – ähnlich wie in den USA – am Weihnachtsmorgen.

foto: wikimedia commons
Das "Fondue Chinoise" ist in der Deutsch-Schweiz zu Weihnachten sehr beliebt.

Asiatischer Leckerbissen in der Schweiz

Eine besinnliche Weihnacht definieren Schweizer vor allem durch gutes Essen im Kreise der Familie und der Freunde. Der Unterschied zu Deutschland besteht darin, was auf den Tisch kommt. Dabei zeigen sich die Eidgenossen wenig experimentierfreudig und bevorzugen einen Klassiker. Vor allem in der deutschsprachigen Schweiz hat sich das "Fondue Chinoise" durchgesetzt.

Insbesondere am Heiligabend selbst holen viele Schweizer den Feuertopf heraus, da die Vorbereitung des Festessens sehr einfach ist und zum längeren Verweilen am Tisch einlädt. Die ursprünglich aus Ostasien stammende Speise wird mit Brühe angesetzt, in der dann Fleisch und Gemüse gegart werden. Marc Born, Geschäftsführer des Schweizer Kurzreisevermittlers weekend4two, liebt das gesellige Gericht: "Am liebsten essen wir Schweizer das Fondue Chinoise mit Rind und Geflügel."

Italien: Hexe Befana bringt Süßigkeiten und Geschenke

In einigen italienischen Regionen, wie der Emilia-Romagna ist der Brauch der Hexe Befana weit verbreitet. Statt vom Weihnachtsmann oder den Heiligen Drei Königen werden, dem Volksglauben nach, Süßigkeiten und Geschenke von Befana gebracht. Auf der Suche nach dem Jesus-Kind fliegt die Hexe auf ihrem Besen in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar von Haus zu Haus und überbringt die Gaben.

Die Kinder hängen dazu ihre Strümpfe an den Kamin oder stellen Schuhe hin, damit diese befüllt werden. Gute Kinder bekommen Süßigkeiten und Geschenke, böse Kinder bekommen Kohlestückchen. In den vergangenen Jahren hält in Italien aber auch immer mehr das moderne Weihnachtsfest Einzug, bei dem die Kinder am 25. Dezember ihre Geschenke auspacken dürfen. Diese werden von Babbo Natale (dt. Vater Weihnachten) gebracht, der dem Weihnachtsmann ähnlich ist.

foto: ungarisches tourismusamt
Die Ungarn zimmern den "Luca-Stuhl" zu Weihnachten.

Ungarn geht gut bestuhlt ins neue Jahr

Die Ungarn feiern eine nahe am christlichen Kalender orientierte Weihnachtszeit. "Ein jahrhundertealter Weihnachtsbrauch beginnt bereits am 13. Dezember und wurde früher traditionell von den Frauen des Landes übernommen", erklärt Jasmin Taylor, Geschäftsführerin von JT Touristik. "Sie zimmerten am sogenannten Lucia-Tag aus verschiedenen Holzarten den 'Luca-Stuhl'. Der Sage nach soll man dann während der Mitternachtsmette darauf stehen und nach Hexen Ausschau halten. Obwohl mühselig gezimmert, wird der Stuhl zuhause schnell ins Feuer geworfen – denn dies gilt als Garant dafür, dass einem ein sicheres Jahr bevorsteht."

Mallorca: Strahlende Kinderaugen zum Tag der Heiligen Drei Könige

Während hierzulande die Kleinen voller Spannung auf Heiligabend warten, üben sich mallorquinische Kinder in Geduld. Ralf zur Linde, Geschäftsführer des Finca-Vermittlers fincallorca, erklärt: "Weder Weihnachtsmann noch Christkind bringen die Geschenke, sondern die Heiligen Drei Könige am 6. Jänner. Am Vorabend des Dreikönigstags finden die Cabalgata statt, die spanischen Umzüge und Prozessionen zum Fest der Heiligen Drei Könige. In vielen Dörfern und Städtchen Mallorcas verteilen die Könige persönlich die Geschenke an die Kinder." Die Cabalgata sind ein beliebtes Schauspiel für Einheimische wie Touristen. Mancherorts kommen die "Reyes Magos" mit dem Schiff, zu Pferde oder auf dekorierten Traktoren an. In der Hauptstadt Palma de Mallorca findet der Festzug mit über 30 Schauspielern statt, die Bonbons an Kinder verteilen.

Ein Meer aus Lichtern auf Madeira

Die Weihnachtsbeleuchtung wird auf der portugiesischen Insel bereits im November angebracht. "Vor allem in der Hauptstadt Funchal funkelt und leuchtet es zu der Jahreszeit besonders", weiß Catia, Madeira-Expertin von Evaneos. Weit über 300.000 Lampen sorgen dort lange vor Heiligabend für festliche Stimmung. Die Liebe zum weihnachtlichen Lichtermeer ist selbst in den kleinsten, abseits gelegenen Dörfern zu sehen. Doch sobald Weihnachten vorbei ist, werden Lichterketten und -girlanden abgenommen und die Vorbereitungen für die Silvesterfeierlichkeiten starten. (red, 5.12.2016)

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