Snowmobile: Amazon holt Daten mit Lastwagen ab

1. Dezember 2016, 09:58
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Soll Firmen den Transfern riesiger Datenmengen in die Cloud des Konzerns erleichtern

Der Kampf um die Cloud ist intensiv. Große Konzerne locken nicht nur Privatkunden mit Speicher- und Verwaltungsmöglichkeiten für ihre Daten, sondern wollen auch Unternehmen für sich gewinnen. Im Kampf gegen Konkurrenten wie Microsoft und Google hat Amazon nun einen neuen Service vorgestellt: Die Abholung von Daten in einem Lastwagen.

Will ein Unternehmen seinen Digitalbestand oder gar ein eigenes Rechenzentrum in Amazons Cloudsysteme umziehen, ist das je nach Bestand keine ganz einfache Aufgabe. Ab einer bestimmten Menge wird die Übertragung über Internetleitungen zu einer sehr langwierigen Angelegenheit, dazu gesellen sich auch potenzielle Sicherheitsrisiken.

Nach der Kiste nun ein Laster

Daher hat der Konzern schon letztes Jahr "Snowball" präsentiert, der sich laut Business Insider hoher Nachfrage erfreut. Dabei handelt es sich um eine Art Koffer in der Größe eines Desktoprechners. Er enthält netzwerkfähigen Speicherplatz im Ausmaß von einem Petabyte (eine Million Gigabyte). Firmen mieten den "Schneeball", erhalten ihn geliefert, füllen ihn mit ihren Daten und senden ihn zurück. Anschließend pflegt Amazon die Daten flott in seine S3- oder Glacier-Cloud ein.

Mit "Snowmobile" geht man einen wortwörtlich großen Schritt weiter. Statt ein tragbares Speichersystem anzuliefern, fährt hier ein Truck mit einem Frachtcontainer vor. Dazu schickt man Personal mit, das dabei hilft, den Riesenspeicher mit einem Hochgeschwindigkeits-Switch ans eigene Netzwerk anzubinden. Mit bis zu 100 Petabyte an Daten beladen macht sich der Laster anschließend wieder auf den Weg zu Amazon.

In den Service inkludiert sind auch Absicherungen. Die Daten werden mit 256-Bit-Verschlüsselung gespeichert. Es gibt ein Alarmsystem, durchgehende Videoüberwachung, GPS-Tracking und mitfahrende Sicherheitsleute. Optional lässt sich auch ein Eskortwagen buchen, der den Transport mit zusätzlichen Securities begleitet.

Sechs Monate statt 26 Jahre

Manche Unternehmen bearbeiten mittlerweile schon Datenmengen im Exabyte-Bereich (ein Exabyte entspricht einer Milliarde Gigabyte). Laut dem Chef von Amazon Web Services, Andy Jassy, würde der Transfer von einem Exabyte an Daten in die Cloud auf konventionellem Wege 26 Jahre dauern. Buche man zehn "Snowmobiles", so wäre der Prozess in einem halben Jahr abgeschlossen.

Verfügbar ist die Datenabholung per Lastwagen derzeit nur in den USA. Preise sind nicht ausgeschrieben, da diese je nach individuellem Bedarf und Gegebenheiten auf Angebotsbasis kalkuliert werden. (red, 01.12.2016)

  • In Amazons Snowmobile können bis zu 100 Petabyte an Daten untergebracht werden.
    foto: amazon

    In Amazons Snowmobile können bis zu 100 Petabyte an Daten untergebracht werden.

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