Überraschung: Arktische Invasoren im Mittelmeer entdeckt

    5. Dezember 2016, 16:16
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    Ein Tauchfahrzeug ging vor der Küste des Libanon auf Fotosafari und lieferte unerwartete Bilder

    Washington – Eine Überraschung erlebten Forscher der Meeresschutzorganisation Oceana, als sie ein ferngesteuertes Tauchfahrzeug die tiefen Gewässer vor der Küste des Libanon erkunden ließen. Über 200 Spezies konnten in dieser bisher nur wenig erforschten Region registriert werden, wie der "New Scientist" berichtet – darunter auch einige, die man hier nie erwartet hätte.

    Einwanderer aus dem Nordwesten

    Während sich Artenschützer um eine ganze Reihe arktischer Spezies Sorgen machen, deren Lebensraum bei fortschreitender Erderwärmung schwindet, haben sich einige Arktisbewohner bereits im viel wärmeren Mittelmeer eingerichtet. So konnte zum Beispiel ein 20 Zentimeter langer, leuchtend blauer Laternenhai gesichtet werden – ebenso wie ein scharlachroter Vertreter der Seesterngattung Leptasterias.

    Die Forscher um Ricardo Aguilar bekennen offen, keine Ahnung zu haben, wann und wie es diese Tiere, die man bisher nur aus nördlichen Gewässern kannte, ins östliche Mittelmeer verschlagen hat. Auffällig ist aber, dass sie dort in wesentlich größerer Tiefe leben als in der Arktis – vermutlich dem Temperaturunterschied geschuldet.

    Erobererwelle aus Südost

    Andere Invasoren, die das Tauchfahrzeug sichtete, waren weniger überraschend, aber dafür umso lästiger: Giftige Rotfeuerfische und pflanzenfressende Kaninchenfische stammen aus dem Roten Meer beziehungsweise dem Indischen Ozean und haben die Passage durch den Suezkanal genommen – wahrscheinlich im Ballastwasser von Schiffen.

    Mangels auf sie spezialisierter natürlicher Feinde breiten sie sich nun im Mittelmeer aus und fressen ihre neuen Habitate leer. Die Kaninchenfische spielen dabei eine ähnliche Rolle, wie es ihre vierbeinigen Namensvettern an Land in Australien tun: Sie weiden den Boden in großem Stil ab und verdrängen einheimische Arten, die mit den zugewanderten Turbofressern einfach nicht mithalten können. (red, 5. 12. 2016)

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