Johann Strobl: Vollblutbanker und -züchter für Raiffeisen

Kopf des Tages30. November 2016, 18:04
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Der künftige Chef von RZB und RBI gilt als sozialkompetenter Zahlenfuchs

Ein Mann der Öffentlichkeit ist er wirklich nicht, der Banker und Risikoexperte Johann Strobl. Das dürfte sich nun aber ändern, wird der 57-jährige Burgenländer doch künftighin die neue (fusionierte) Raiffeisen Bank International (RBI) als Vorstandschef leiten.

Damit hat sich Strobl, Vater zweier Töchter und eines Sohnes, die er in Mattersburg allein großgezogen hat, seinen Traumjob geangelt – und das ist eigentlich untypisch für ihn.

Er sei "einer, der nichts anstrebt, aber auch nichts ausschlägt", erklärt ein alter Weggefährte Strobls aus der Bank Austria, wo Strobl von 1989 bis 2007 gearbeitet hat, zuletzt als Finanzvorstand. Den RBI-Chefsessel aber, in dem er seinen langjährigen Weggefährten Karl Sevelda beerbt, den wollte der RBI-Vizechef und Risikovorstand sehr. Dass der Chef der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich abgesagt hat, kam ihm durchaus zupass – zweite Wahl ist er deswegen aber nicht.

In der Bankenbranche ist der uneitle Zahlenmensch Strobl, der als Uni-Assistent mit dem "Rauf- und Runterrechnen von Optionen" Studierende zur Verzweiflung bringen konnte, unumstritten. (Und das ist selten.) Der Treasury- und Risikofachmann sei analytisch, von schneller Auffassungsgabe, sozial kompetent und kenne die Zahlen der RBI und ihrer Töchter wie seine Satteltasche (Strobl ist Reiter und züchtet englische und arabische Vollblüter). Seine exzellenten Kontakte zu den Risikoleuten in den Tochterbanken wird Strobl brauchen können: An ihm ist es, in der postexpansiven RBI-Ära zu entscheiden, aus welchen Märkten sich die Bank zurückziehen und wo sie bleiben wird.

Kein Kundenbetreuer

Eines ist Strobl aber im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern, Herbert Stepic und Sevelda, nicht: ein Kundenmann und Geschäfteaufreißer. Beim lockeren und ausgelassenen Smalltalk auf (Kunden-) Veranstaltungen ließ er sich bisher eher selten sehen – schon lieber auf der Galopprennbahn, wo seine (teils preisgekrönten) Pferde laufen.

Spannend wird, wie sich der Mann, als dessen Erkennungszeichen der nachdenklich nach unten geneigte Kopf gilt, mit seinen Eigentümern aus dem Raiffeisensektor verstehen wird. Die Landesbankchefs, die weiteren Fusionen im Sektor kritisch gegenüberstehen, werden es ihm wohl nicht so leicht machen – aber das Risiko dürfte es Johann Strobl wert sein. Und sicher hat er es schon rauf- und runtergerechnet. (Renate Graber, 30.11.2016)

  • Pferdenarr Johann Strobl wird Chef der Raiffeisen Bank International.
    foto: apa/hans klaus techt

    Pferdenarr Johann Strobl wird Chef der Raiffeisen Bank International.

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