Opec-Förderkürzung treibt Ölpreis um acht Prozent nach oben

1. Dezember 2016, 07:57
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Das Ölkartell hat formalisiert, was bereits im September vereinbart wurde: Bei 32,5 Millionen Fass am Tag kommt ein Deckel drauf

Wien – Es war wie immer, wenn sich die Energieminister der Organisation erdölexportierender Länder am Opec-Sitz in Wien treffen. Und doch anders.

Viele BMWs mit Blaulicht, noch mehr Mercedes-Limousinen mit Diplomatenkennzeichen, Spezialeinheiten der Polizei mit Maschinenpistolen im Anschlag rund um das Gebäude in der Innenstadt. Im Eingangsbereich zum Opec-Gebäude hingegen leicht chaotische Zustände, nachdem Polizeikräfte akkreditierten Berichterstattern ohne Angabe von Gründen den Zutritt verwehrten.

Für die Minister der 14 Mitgliedsländer des Ölkartells samt Entourage war es jedenfalls ein ungewohnter Konferenzbeginn. Statt des gewohnt wilden Gedränges gab es Mittwochvormittag im Konferenzraum erstmals viel Platz – und viel Optimismus, dass man sich dieses Mal zu einem auf den Märkten gut verkaufbaren Ergebnis zusammenraufen könne.

Tatsächlich wurde dann formalisiert, was bereits vor zwei Monaten bei einem Treffen in Algier im Grundsatz vereinbart wurde: Die Opec-Mitglieder wollen in Summe und für die nächsten sechs Monate nicht mehr als 32,5 Millionen Fass (159 Liter) Rohöl am Tag aus dem Boden holen. Das sind um 1,1 Millionen Barrel pro Tag weniger als vom Ölkartell im Oktober durchschnittlich produziert wurden. Es ist die erste Kürzung seit 2008, als die Finanzkrise weltweit Wellen zu schlagen begann.

Saudis schultern Löwenanteil

Den Hauptpart der Reduktion will Saudi-Arabien schultern. Riad hat zugesichert, seine Produktion allein um 500.000 Fass am Tag zurückzufahren. Die Ölpreise machten einen Satz nach oben. Die Nordseesorte Brent, Preisführer in Europa, verteuerte sich deutlich und lag Donnerstagfrüh bei 52,6 Dollar je Fass. US-Leichtöl notierte ebenfalls höher bei 50,51 Dollar je Fass.

Die Einigung auf eine Förderbegrenzung wurde möglich, weil die Saudis letztlich dem Druck der Iraner nachgaben, die auf eine Ausnahmeregelung bestanden haben. Teheran wurde dem Vernehmen nach ein Förderlimit zugestanden, das auf Höhe des Niveaus vor Einsetzen der internationalen Sanktionen liegt – bei rund 4,8 Millionen Fass.

Auch mit dem Irak wollte man noch eine Sondervereinbarung schließen, weil das Land im Kampf gegen den "Islamischen Staat" Geld braucht – das über den Verkauf von Erdöl hereinkommen soll. Die Opec steht für rund ein Drittel der weltweiten Ölförderung.

Der Ölpreis hat sich seit Mitte 2014 in etwa halbiert – in erster Linie wegen des riesigen Überangebots bei schwacher Nachfrage im Zuge der mauen Weltkonjunktur. Der Versuch, auch Nicht-Opec-Mitglieder wie Russland, Brasilien und Mexiko für ein gemeinsames Vorgehen zu gewinnen, blieb bisher erfolglos. (Günther Strobl, 1.12.2016)

  • Auf den Ölmärkten wurde der Kürzungsbeschluss der Opec zunächst mit Wohlwollen aufgenommen, Öl in den Tankern ist mehr wert.
    afp / karim sahib

    Auf den Ölmärkten wurde der Kürzungsbeschluss der Opec zunächst mit Wohlwollen aufgenommen, Öl in den Tankern ist mehr wert.

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