Wiener Spitäler: Ablöse von KAV-Chef Janßen dürfte bevorstehen

30. November 2016, 17:16
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Während Bürgermeister Häupl Personalia in der SPÖ vertagt hat, könnte bei den Gemeindespitälern der Chefposten vakant werden

Wien – Bürgermeister Michael Häupl hat mögliche Personalentscheidungen innerhalb seiner zerstrittenen Wiener SPÖ auf Anfang 2017 vertagt. Genossen wie Ex-Landesparteisekretär Christian Deutsch, die auch eine Nachfolgeregelung für den Stadtchef forderten, wurden von ihm via ORF-Radio mit einem "Des is ma wurscht" gemaßregelt. Auch interne Kritik an der Arbeit der Stadträtinnen Sonja Wehsely, Sandra Frauenberger und Renate Brauner perlt an Häupl ab. Ausgestanden ist die Krise damit noch nicht.

Geht es nach Häupl, sollen die Diskussionen und Vorbereitungen zu etwaigen Personalrochaden hinter verschlossenen Türen passieren. Um Veränderungswillen aber öffentlich zu zeigen, dürfte es noch heuer zu Entscheidungen kommen – allerdings an einer anderen Front. Hinter vorgehaltener Hand hieß es von hochrangigen Vertretern aus dem Rathaus zum STANDARD, dass Udo Janßen als Chef des Krankenanstaltenverbundes (KAV) noch vor Weihnachten abgelöst werden soll.

Janßen in Bedrängnis

Janßen, seit November 2014 in dieser Spitzenfunktion, geriet zuletzt durch den Ärztestreik, ausufernde Kosten beim Krankenhaus Nord sowie einen Rohbericht des Rechnungshofs zur Finanzgebarung des Spitalsträgers in Bedrängnis. Bemängelt wurde von den Prüfern etwa das hohe Durchschnittsgehalt des Vorstands. Janßen soll 24.000 Euro im Monat verdienen – weit mehr als branchenüblich und mit weniger Handlungsspielraum verbunden. Externe Berater erhielten zwischen 2012 und 2015 mehr als 48 Millionen Euro.

Neuordnung des KAV diskutiert

Der Wechsel an der KAV-Spitze könnte also beschlossen werden, bevor die Stadt über die Zukunft des Spitalsträgers entscheidet. Wie berichtet wird überlegt, den KAV als eigenständiges Unternehmen im Besitz der Stadt auszugliedern. Häupl kann sich diese Variante gut vorstellen. Janßen griff er direkt an: Es sei ihm nicht ganz klar, was dieser in einem Unternehmen ohne Finanz- und Personalhoheit eigentlich zu tun habe, sagte Häupl.

Arbeitsgruppe tagte noch nicht

Mit der Neuorganisation des KAV beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Richard Gauss, Chef der MA 24 (Gesundheitsplanung und Gesundheitsberichterstattung). Im Team sind auch Vertreter der Stadt und des KAV sowie Patientenanwältin Sigrid Pilz. Die Gruppe hat aber noch nicht getagt, sagte Pilz. Anfang 2017 soll laut KAV eine Machbarkeitsstudie vorliegen.

Die Stimmen aus dem Rathaus, wonach eine Ablöse Janßens bevorstehe, wollte man im Büro von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely "nicht bestätigen". Auch die KAV-Generaldirektion wollte zu Personalia keine Stellung nehmen. Nur so viel: Janßen habe einen "aufrechten Vertrag". Dieser beinhaltet allerdings nach zweieinhalb Jahren eine Kündigungsmöglichkeit, also im April 2017.

Warten auf Rechnungshof-Bericht

Wolfgang Weismüller, Personalvertreter im KAV, steht der Auslagerung des Betriebs kritisch gegenüber. Es müsse zwar etwas passieren, eine Ausgliederung würde aber aus unternehmerischer und politischer Sicht nur das Negative beinhalten. Der Einfluss durch die Stadt bliebe bestehen, hinzu kämen die Nachteile eines privatrechtlichen Unternehmens.

Die Finanz- und Personalhoheit befürwortet der Ärztekammerfunktionär jedoch. Denn: "Bisher war die Generaldirektion de facto für nix zuständig." Nachsatz: außer für den Wahn, externe Beraterfirmen zu beauftragen.

Anfang Jänner soll der Rohbericht zum Krankenhaus Nord vorliegen. Weismüllers Einschätzung nach dürfte dieser "um einiges katastrophaler" als der Rechnungshof-Bericht zum KAV ausfallen. Er rechnet spätestens dann auch mit personellen Konsequenzen für Janßen sowie für Wehsely. (Marie-Theres Egyed David Krutzler, 30.11.2016)

  • Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) rückte zuletzt deutlich von KAV-Chef Udo Janßen (Bild) ab.
    foto: apa/robert jäger

    Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) rückte zuletzt deutlich von KAV-Chef Udo Janßen (Bild) ab.

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