"Pokémon: Sonne & Mond" im Test: Die besten "Pokémon"-Spiele seit 1999

    Rezension4. Dezember 2016, 11:12
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    Nintendos Frischzellenkur der "Pokémon"-Serie bringt willkommene Veränderungen

    Besser hätte das Monstersammeljahr für Nintendo gar nicht laufen können: Im Sommer versetzten die Japaner gemeinsam mit Niantic die gesamte Welt mit "Pokémon Go" in einen nie zuvor gesehenen Jagdrausch. Millionen "Pokémon"-Fans und solche, die es noch werden sollten, saßen in Parks, in Ärzte-Wartezimmer oder bei der Schwiegermutter zuhause und fingen ein Monster nach dem anderen. Und nun, nach dem Ende des Hypes, bringt Nintendo zwei neue Teile der Hauptreihe für den 3DS auf den Markt: "Pokémon Sonne" und "Pokémon Mond".

    Der japanische Spielehersteller hat es sich in der mittlerweile siebten Spielegeneration aber nicht einfach gemacht. "Sonne" und "Mond" wenden sich zu einem gewissen Bruchteil vom bekannten "Pokémon"-Schema ab. Es gibt keine herkömmlichen Arenen mehr, die Story ist komplexer und viel zentraler mit dem Gameplay verbunden als zuvor und die Monster besitzen nun die Z-Attacke, eine Spezialkraft, die wie ein Tornado über den Gegner fegt. Das Destillat von "Pokémon" bleibt aber erhalten: Man zieht von seinem Heimatdorf hinaus in die große, weite Welt, erhebt sich gegen ein malignes Team an Schurken (hier ist es Team Skull), sammelt verschiedene Pokémon und trainiert sie, um der Allerbeste zu sein, wie es keiner vor einem war.

    Insel-Hopping

    Diesmal hat man sich als Location für die Monsterjagd am Inselparadies Hawaii orientiert. Die Alola-Region besteht aus vier Hauptinseln, die vom Spieler erforscht werden müssen. Zunächst bekommt man ein Starterpokémon und muss sich zwischen der Graseule Bauz, der Feuerkatze Flamiau und der Robbe Robbal entscheiden. Man begibt sich auf die in Alola traditionelle Inselwanderschaft, die quasi die bekannte Reise von Arena zu Arena aus den vergangenen Spielen ersetzt. Hierbei muss man zunächst die Prüfungen der Captains bestehen. Jeder Test sieht anders aus und ist auf einen speziellen Typ fokussiert. Der erste solche Test besteht zum Beispiel daraus drei Rattfratz in einer Höhle zu besiegen, in einem anderem muss man vier Zutaten sammeln. Nach erfolgreicher Absolvierung der Prüfung stellt man sich noch dem Inselkönig zum Kampf.

    Neu und verbessert

    Das Kampfsystem hat Nintendo unverändert gelassen, jedoch wird einem nun der Effektivitätsgrad der jeweiligen Attacke angezeigt. Das ist selbst für erfahrene "Pokémon"-Spieler hilfreich, da man bei 18 verschiedenen Pokémon-Typen, unzähligen Attacken und über 800 Pokémon schnell den Überblick verliert.

    Alte "Poké"-Gewohnheiten wurden jedoch verändert. In "Pokémon Sonne & Mond" gibt es keine VMs wie Zerschneider oder Surfer mehr, die man lästigerweise einem Monster beibringen musste, um im Spiel voranschreiten zu können. Vorbei sind die Zeiten, in dem man einem Viech die nutzlose Attacke Blitz beibrachte, um dunkle Höhlen zu erleuchten. Stattdessen kann man per PokéMobil auf bestimmten Monstern reiten, surfen, fliegen und Hindernisse überwinden.

    Blonde Haare für Digdri

    Die Versionen "Sonne" und "Mond" unterscheiden sich nur marginal von einander. Neben versionsabhängigen Sammelmonstern gibt es in den Spielen einen 12-stündigen Zeitunterschied: Spielt man "Mond" am Tag ist es im Spiel Nacht und umgekehrt. Neben den 80 neuen Pokémon findet man in Alola auch altbekannte Monster aus "Pokémon Rot/Blau" in neuen Formen wieder. Der Feuerfuchs Vulpix tritt nun in einer Eis-Form auf, das Palmen-Pokémon Kokowei ist dank des tropischen Klimas in die Höhe geschossen und dem dreiköpfigen Digdri ist eine blonde Haarpracht gewachsen.

    Die teilweise aberwitzigen Monsterdesigns stießen bereits im Vorhinein auf viel Lob aber auch Kritik. Unter anderem wurde das Starter-Pokémon Robbal aufgrund seines Aussehens von den Fans als lächerlich verschrien, seine Weiterentwicklung zu einer Sirene führte zu misogynen Aussagen mancher Spieler, die das Design als zu feminin und dadurch als schwach und unspielbar erachteten. Und dann tauchen auch noch mysteriöse Ultrabestien auf, bei denen erst im Laufe der Handlung klar wird, ob es sich bei den grotesken Figuren überhaupt um Pokémon handelt.

    nintendo deutschland
    Trailer zu "Pokémon Sonne & Mond"

    Spass wie eh und je

    Nintendo hat einen wunderbaren Versuch unternommen, "Pokémon" im möglichen Rahmen zu verändern und zu verbessern. "Sonne" und "Mond" erhalten die erfolgreichen Quintessenzen aus Kampf und Exploration und bringen dank neuem Arena-System, schneller Handlung und Zusatz-Funktionen frischen Wind in die Monstersammelei. An der Grafikleistung ist seit den Vorgängerversionen stark geschraubt worden, was man des Öfteren am Stocken des 3DS merkt, wenn besonders viel Poké-Action am Bildschirm stattfindet. Die neuen Pokémon und neue Formen alter Monster erweitern mit großartigen Designs das Repertoire, auch wenn der ein oder andere Schuss in den Ofen dabei ist (siehe das Anker-Monster Moruda). "Pokémon Sonne & Mond" ist das beste, weil erfrischendste "Pokémon"-Spiel seit den Editionen "Gold" und "Silber" von 1999. "Sonne" und "Mond" berufen sich auf Kernkompetenzen, bringen viele kleine Neuerungen, ohne das System auf den Kopf zu stellen und bieten wie gewohnt Monstersammelspaß par excellence für unzählige Tage und Nächte. (Kevin Recher, 4.12.2016)

    Pokémon Sonne und Pokémon Mond sind ab 0 Jahren für Nintendo 3DS erschienen.

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      bild: pokémon sonne & mond
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