Neues CD-Labor untersucht Pilze für die Industrie

2. Dezember 2016, 15:01
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Mikroorganismen sind wichtige "Mitarbeiter" in vielen industriellen Prozessen, können aber spontan unbrauchbar werden

Wien – Mikroorganismen spielen in der Industrie eine wichtige Rolle, ihr Einsatzbereich reicht vom Bierbrauen bis zur Medikamentenherstellung. Dennoch ist man weit davon entfernt, das Verhalten von Bakterien und Pilzen vollständig zu verstehen. An der Technischen Universität (TU) Wien wurde nun ein Christian Doppler (CD) Labor eröffnet, in dem Pilze untersucht werden, die Enzyme produzieren.

Die Industrie steht vor dem Problem, dass die genutzten Mikroorganismen spontan unbrauchbar werden können. "In allen Bereichen der Biotechnologie beobachtet man, dass die Leistung von Mikroorganismen-Stämmen ohne erkennbaren Grund abnimmt. Manchmal wird ein Stamm im Lauf der Zeit kontinuierlich schlechter, manchmal verliert ein Stamm aber auch ganz abrupt seine gewünschten Eigenschaften", erklärte Astrid Mach-Aigner, die Leiterin des neuen "CD-Labors für optimierte Expression von Kohlehydrat-aktiven Enzymen" in einer Aussendung.

Die Wissenschafter wissen, dass nicht zufällige Mutationen dabei eine Rolle spielen, sondern epigenetische Effekte. "Die Eigenschaften der Pilze werden nicht bloß von ihrer DNA festgelegt, es gibt eine Vielzahl von Prozessen, die darüber entscheiden, wie sich die Pilze verhalten", so Mach-Aigner.

Enzyme-produzierende Pilze

Im neuen CD-Labor soll diesen Fragen nachgegangen werden. Im Mittelpunkt stehen Pilze, die Kohlenhydrat-aktive Enzyme produzieren. Diese Enzyme spielen in vielen Industriezweigen eine wichtige Rolle, insbesondere in solchen, die an klimaschonenden Formen der Energiegewinnung, wie der Aufbereitung von Stroh oder Sägemehl, arbeiten.

In CD-Labors kooperieren Wissenschafter mit Unternehmen im Bereich anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Industriepartner des neuen CD-Labors an der TU ist das dänische Biotechnologieunternehmen Novozymes. Die Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Firmen gemeinsam finanziert, wichtigster Fördergeber der Christian-Doppler-Gesellschaft (CDG) ist das Wirtschaftsministerium. (APA, 2.12.2016)

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