Soziale Insekten kommunizieren, indem sie Flüssigkeit austauschen

4. Dezember 2016, 10:57
9 Postings

Artgenossen Erbrochenes vorzusetzen ist nicht allein eine Nahrungstauschbörse, es fließen auch Informationen

Lausanne – Trophallaxis ist der Fachbegriff für die bei vielen Tierarten gelebte Praxis, Nahrung zu erbrechen und damit Artgenossen zu füttern. Vögel ebenso wie Säugetiere können so ihre Jungen mit Nahrung versorgen, unter sozialen Insekten dient diese Weitergabe sogar zur Nahrungsversorgung in großem Stil.

Wie Schweizer Forscher im Magazin "eLife" berichten, kann hier aber noch eine weitere Komponente ins Spiel kommen: Laut dem Team um Adria LeBoeuf und Laurent Keller von der Universität Lausanne fungiert der Flüssigkeitsaustausch von Maul zu Maul auch als Form der Kommunikation. Die so übertragenen Proteine, Hormone und anderen Moleküle beeinflussen Entwicklung und Organisation der ganzen Kolonie. Keller spricht von einem "Netzwerk von Interaktionen".

Informationsfluss durch Speichelfluss

Die Forscher sahen sich ganz genau an, welche Substanzen von einer Ameise an die andere weitergereicht werden. Überraschenderweise zeigte sich ein hoher Anteil an Proteinen, die mit dem Größenwachstum von Ameisen in Verbindung gebracht werden, sowie des sogenannten Juvenilhormons. Dieses ist ein wichtiger Regulator für Entwicklung, Fortpflanzung und Verhalten von Insekten.

Die Forscher vermuten, dass auf diese Weise ein ständiger Datenaustausch der Koloniemitglieder stattfindet – und in eine kollektive "Entscheidung" mündet, wie sich die Kolonie weiterentwickeln soll. Werden beispielsweise große Mengen des Juvenilhormons an diejenigen Arbeiterinnen herangetragen, die sich um die Larven kümmern, hat dies große Auswirkungen: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Larven zu ausgewachsenen Tieren entwickeln, verdoppelt sich dann, stellten die Forscher fest.

LeBoeufs Team zieht Parallelen zwischen den untersuchten Rossameisen und anderen staatenbildenden Insekten, unter denen vergleichbare Substanzen kursieren. Das müsse aber noch nicht das Ende sein: Möglicherweise habe man oralen Flüssigkeitsaustausch bislang generell unterschätzt – auch bei komplexeren Tieren sei Informationsfluss durch Speichelfluss denkbar. (red, 4. 12. 2016)

  • Zwei Rossameisen beim Datentransfer.
    foto: adria c. leboeuf

    Zwei Rossameisen beim Datentransfer.

Share if you care.