Römischer Müllimport: Für EVN Form der Nachbarschaftshilfe

30. November 2016, 15:46
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Thermische Verwertung zur Strom- und Fernwärmeerzeugung sinnvollster Umgang mit Abfall – Grüne gegen Müllimporte als Dauerzustand

Maria Enzersdorf – Ab Dezember dürfen, vom Umweltministerium genehmigt, innerhalb eines Jahres maximal 70.000 Tonnen Müll aus Rom nach Österreich eingeführt werden. Für die EVN, die den Abfall in ihrer Verwertungsanlage in Zwentendorf Dürnrohr verbrennt, ist dies eine Form der Nachbarschaftshilfe, die natürlich auch Geld bringt. Die Grünen sprachen sich jedoch dagegen aus, dass diese "Hilfe" ein Dauerzustand wird.

"Auch wenn der italienische Müll für unsere Entsorgungsunternehmen ein gutes Geschäft sein mag, appellieren wir an alle Verantwortlichen, das Nähe-Prinzip in der Abfallwirtschaft endlich ernst zu nehmen und Abfälle nicht quer durch ganz Europa zu kutschieren und sie dann erst recht zu verbrennen", sagte Eva Glawischnig, Klubobfrau und Bundessprecherin der Grünen.

EVN-Sprecher Stefan Zach gibt jedoch bedenken, dass die Verbrennung ein durchaus sinnvoller Umgang mit Abfall ist. Denn würde der Müll etwa in Italien auf einer Deponie landen, dann entstünde dort unter anderem das weitaus klimaschädlichere Methan. Bei der Verbrennung in Niederösterreich werden bei über 1.000 Grad Celsius hingegen die Schadstoffe zu einem Großteil zerstört.

Müll wird schon länger importiert

Zudem ist der Import von Abfall aus Italien schon länger ein Faktum: "Das ist an sich nichts Neues. Seit 2013 wurden insgesamt 100.000 Tonnen auf drei Jahre in der Verwertungsanlage thermisch verwertet". Ohnehin komme der Abfall aus dem Ausland nur bei freien Kapazitäten zum Zug und Dürnrohr hat eine Kapazität von 500.000 Tonnen pro Jahr, wobei die Verbrennung zur Herstellung von Fernwärme für Unternehmen und Haushalte sowie Strom für rund 170.000 Haushalte benutzt wird. Nachdem der Restmüll im Schnitt einen 50-prozentigen Kohlenstoffanteil besitzt, kann der daraus gewonnene Strom aufgrund der gesetzlichen Lage zu eben diesen 50 Prozent als Ökostrom ausgewiesen werden.

Was die Klimabilanz bei der Müllverbrennung betrifft, so hat Zach ebenfalls Argumente parat: Laut seinen Angaben wird durch die Verwertungsanlage eine Ersparnis im Äquivalent von 100 Tonnen Kohle und etwa zehn Millionen Kubikmeter Erdgas erzielt, da der Heizwert des Abfalls dem einer hochwertigen Braunkohle entspricht. Das Volumen des Mülls verringert sich bei der Verbrennung dabei auf ein Zehntel, wobei man aus der übrig gebliebenen Schlacke dann noch rund 10.000 Tonnen Metallschrott gewinnen kann, gibt der EVN-Sprecher zu bedenken. "Der CO2-Ausstoß entspricht dabei jenem, den zwei bis drei Lkw im Leerlauf erzeugen", rechnete Zach vor. Der römische Mist kommt hingegen mit der Bahn nach Niederösterreich.

Die Ursache des Exports, die Lage in Rom, wird sich jedenfalls so schnell nicht ändern, denn das am Montag vorgestellte Konzept von Bürgermeisterin Virginia Raggi schließt die Errichtung einer eigenen Müllverbrennungsanlage aus. Bisher ließen sich keine Entsorgungsmöglichkeiten umsetzen und die laut EU-Gesetzgebung ohnehin verbotene Deponie Malagrotta wurde 2013 geschlossen.

Müll auch aus anderen Ländern

Dabei ist Italien nicht das einzige Land, dass Müll nach Österreich liefert, denn laut den Zahlen des Umweltministerium wurden etwa 2014 wurden rund 645.000 Tonnen nach Österreich importiert und da zu einem Drittel aus Deutschland, das mit rund 35 Prozent Anteil an der Gesamtmenge so der Hauptlieferant ist. Der Anteil aus Italien betrug damals 26 Prozent. Dabei wurde ein Teil des Abfalls, den auch Slowenien und Tschechien liefern, aber auch recycelt.

Die gesetzliche Lage sorgt dafür, dass auch klar ist, welcher Müll ins Land kommt, denn die Qualität des zu importierenden Abfalls wird im Rahmen des Notifizierungsverfahrens vor Erteilung einer Zustimmung geprüft, heißt es aus dem Umweltministerium. Dem zugehörigen Antrag liegen chemische Analysen bei. Wurde die Zustimmung erteilt, wird vor der "Abfallbehandlung" stichprobenartig die tatsächliche Abfallqualität geprüft. Stimmt sie nicht mit den Angaben im Notifizierungsantrag überein, werde die erteilte Zustimmung widerrufen. (APA, 30.11.2016)

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