Treffen in Wien: Opec einigt sich auf Förderkürzung

30. November 2016, 17:22
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Um den Ölpreis zu stabilisieren, will die Opec zum ersten Mal seit 2008 weniger Öl fördern

Wien – Die Opec hat erstmals seit 2008 eine Kürzung der Ölförderung beschlossen und damit den Ölpreis binnen Stunden um acht Prozent in die Höhe getrieben. Die Vertreter der Organisation Erdöl exportierender Staaten stimmten am Mittwoch in Wien dazu der Grundsatzvereinbarung vom September zu, verlautete aus schon zuvor aus Opec-Kreisen. Damit soll verhindert werden, dass sich Öl weiter verbilligt. Der US-Ölpreis hat am Mittwoch im späten europäischen Handel auf die Ankündigung reagiert und mit massiven Aufschlägen gegenüber dem Vortag tendiert.

Der Ölpreis steht seit 2014 wegen eines Überangebots unter Druck. Bei einem Treffen in Algerien hatten sich die oft zerstrittenen 14 Länder des Kartells bereits vorläufig darauf verständigt, die tägliche Förderung von aktuell 33,6 Millionen Fass auf 32,5 Millionen zu senken. Der Einigung am Mittwoch vorausgegangen war nun ein Vorstoß Saudi-Arabiens, in dem sich das Opec-Schwergewicht zu Kürzungen bereit erklärte. Zudem zeigte es sich offen für ein Entgegenkommen an den Erzrivalen Iran, der eine Ausnahmeregelung forderte. Die Opec-Länder stehen für rund ein Drittel der weltweiten Ölförderung.

Widerstand aus Iran und Irak

Vor allem der Iran und der Irak stemmten sich in den vergangenen Wochen gegen den Druck Saudi-Arabiens, sich in vollem Umfang an einer Förderkürzung zu beteiligen. Iran will Marktanteile zurückgewinnen, nachdem jahrelange Sanktionen gegen das Land im Zuge des Atomstreits aufgehoben wurden. Der Irak macht geltend, die Einnahmen aus dem Ölgeschäft seien nötig, um den Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS zu finanzieren. Auch Libyen und Nigeria sollen wegen der unsicheren Lage im Land Erleichterungen zugestanden werden.

Der saudi-arabische Energieminister Chalid al-Falih deutete dann kurz vor Beginn der Beratungen die Bereitschaft an, dem Iran entgegenzukommen. Es sei akzeptabel, wenn das Land seine Produktion auf Vorsanktionsniveau einfriere. Beide Länder ringen um die Vorherrschaft am Golf und in der muslimischen Welt. Auch der Iran und der Irak verbreiteten Zuversicht. Die Opec hoffe aber, dass sich Ölländer außerhalb ihres Kreises, etwa Russland, an einer Förderbremse beteiligen und die Produktion um insgesamt 600.000 Barrel reduzieren, betonte Falih. Der Iran erklärte, Russland werde bei einer Opec-Einigung sicher ebenfalls die Förderbremse einlegen.

Der Ölpreis hat sich seit Mitte 2014 in etwa halbiert – in erster Linie wegen des riesigen Überangebots bei schwacher Nachfrage im Zuge der mauen Weltkonjunktur. Die großen Ölexporteure ringen seit Monaten um eine Begrenzung der Fördermengen, um der Rohöl-Schwemme Herr zu werden. Der Preisverfall hat in vielen Ölländern tiefe Spuren in der Wirtschaft und den Staatsfinanzen hinterlassen. Dennoch liefen ihre Pumpen bis zuletzt auf Hochtouren. Unterschiedliche Interessen haben bisher eine Einigung immer wieder verhindert. Wegen der Unstimmigkeiten innerhalb des Ölkartells galt eine Übereinkunft auch bei diesem Opec-Treffen im Vorfeld zunächst als wenig wahrscheinlich. (APA, Reuters, 30.11.2016)

  • Der Ölpreis steht seit 2014 wegen Überangebots unter Druck.
    foto: afp photo / joe klamar

    Der Ölpreis steht seit 2014 wegen Überangebots unter Druck.

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