Spitalsärzte bereit, Proteste niedergelassener Kollegen zu unterstützen

30. November 2016, 15:11
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Vertreter der angestellten Ärzte erklärt Solidarität mit niedergelassenen Kollegen – Absolventenbefragung zu "Ärzteausbildung neu" zeigt Mängel auf

Wien – Die Spitalsärzte sind "bereit, Protestmaßnahmen begleitend zu unterstützen": Das gab Karlheinz Kornhäusl, stellvertretender Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, bei einem Medientermin am Mittwoch bekannt, dessen Hauptthema eigentlich die neue Ärzteausbildung war. Die niedergelassenen Ärzte haben vor wenigen Tagen einen eintägigen Streik im Dezember angekündigt, weil sie mit den im Zuge des Finanzausgleichs vereinbarten Änderungen unzufrieden sind – darunter ein vorgegebener Kostendämpfungspfad für die nächsten Jahre. Wie etwaige Protestmaßnahmen aussehen werden, ließ Kornhäusl offen.

Die angestellten Ärzte seien voll solidarisch mit jenen im niedergelassenen Bereich, sagte Kornhäusl. Es betreffe diese ja genauso, unter anderem in Fragen der Lebensplanung. Die Ärztekammer fährt derzeit eine Kampagne unter dem Titel "Gesundheit! Weniger ist nicht mehr". Das von Ärzteseite so heftig kritisierte Gesundheitsreformpaket passierte am Mittwoch den Gesundheitsausschuss, wie Ministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) mitteilte.

"Luft nach oben"

Eigentliches Thema der Pressekonferenz am Mittwoch war, wie zufrieden die ersten Absolventen mit der neunmonatigen Basisausbildung in den Spitälern sind. 223 der mehr als 400 Absolventen dieses Teils der "Ärzteausbildung neu" nahmen an der Befragung teil. Insgesamt erhielt sie eine Durchschnittsnote von 2,53 – da sei noch "Luft nach oben", sagte Kornhäusl.

Dass 15 Prozent die Ausbildung in fünf oder mehr Abteilungen absolviert haben, kritisierte Kornhäusl. Zugleich sei es aber auch bedenklich, dass sechs Prozent in nur einer Abteilung die Ausbildung machten. "Es geht darum, die Kernkompetenzen zu erlernen. Da macht es Sinn, mehrere Abteilungen kennenzulernen", sagte Kornhäusl.

Ein Viertel als "Systemerhalter"

Zufrieden waren knapp drei von zehn Befragten aufgrund einer "guten Ausbildung und Betreuung", gut ein Viertel nannte eine gute Integration ins Stammärzteteam und ein angenehmes Arbeitsklima als positiv, 15 beziehungsweise 14 Prozent lobten eigenständiges Arbeiten beziehungsweise praktische Erfahrungen.

Gut ein Viertel erklärten, dass sie sich als Systemerhalter gefühlt und viele Routinetätigkeiten zu erledigen gehabt hätten. 22 Prozent gaben an, kaum oder keine Ausbildung zu erhalten, 15 Prozent bekrittelten "viele administrative Tätigkeiten", zwölf Prozent, dass sie kaum Feedback erhielten.

Mehr Ärzteengagement bei Ausbildung gefragt

Kornhäusl sieht das Ausbildungskonzept selbst positiv, es müsse aber mit Leben erfüllt werden, da müssten sich die für die Ausbildung zuständigen Ärzte "an der Nase nehmen": "Es kann ja nicht so schwierig sein, junge Kollegen an der Hand zu nehmen", so Kornhäusl. Allerdings müsse die Politik auch für ausreichend Personal und Ressourcen sorgen, damit Ausbildung stattfinden könne.

Schneiden Abteilungen oder Häuser bei diesen Evaluierungen schlecht ab, werde die jeweilige Landesärztekammer darüber informiert, die dann an die Abteilung oder den Träger herantreten solle. (spri, 30.11.2016)

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