Lehre und Studium: Mehr Theorie als Wirklichkeit

8. Dezember 2016, 09:00
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Über Umwege an die Hochschule – das ist an Fachhochschulen einfacher als an Universitäten. Aktuelle Zahlen zeigen allerdings, dass es noch Luft nach oben gibt und die soziale Durchlässigkeit oft nur eine theoretische ist

Wien – Die Zahlen sind nicht berauschend: Nur fünf Prozent der Studienabschlüsse entfielen laut statistischen Daten des Wissenschaftsministeriums für das Studienjahr 2014/2015 auf Personen, die über Umwege an die Uni kamen. Gemeint ist beispielsweise die Externistenmatura, Studienberechtigungs- oder Berufsreifeprüfung bzw. eine postsekundäre Bildungseinrichtung, etwa ein Kolleg. Es bleibt also – zumindest was die Bildungsherkunft anbelangt – beim vielbeschworenen Elfenbeinturm.

Auch Fachhochschulen, die lieber auf dem Teppich bleiben möchten und sich oft als sozial durchlässiger als die Unis beschreiben, schaffen es nicht ausreichend, zu Menschen ohne klassischer AHS- oder BHS-Matura durchzudringen: Hier fanden nur neun Prozent auf nichtklassischem Weg zum Studium.Auch ein Blick in die aktuelle Studierenden-Sozialerhebung (2015) zeigt, dass FHs beim Thema soziale Durchlässigkeit zwar besser als die Unis abschneiden: Sind Studenten aus "bildungsnaher Schicht" an Universitäten mit einem Faktor von 2,7 überrepräsentiert, liegt dieser Wert an FHs bei 1,8 – ein Wert von 1,0 würde bedeuten, dass der Anteil an Studierenden der jeweiligen Gruppe gleich groß ist wie in der Gesamtbevölkerung. Unterrepräsentiert bleiben Menschen mit Migrationshintergrund und ausländische Studierende.

Attraktiv für Späteinsteiger

In einer Sonderauswertung zur sozialen Lage der Fachhochschulstudierenden wurde die Anzahl jener erhoben, die ohne Matura nach der Lehre an Fachhochschulen kommen: Nur 1,5 Prozent sind es in Vollzeitmodellen, berufsbegleitend steigt der Anteil auf immerhin 4,5 Prozent. Die Voraussetzungen dafür, eine vielfältige Hochschule, die Menschen mit unterschiedlicher geografischer oder sozialer Herkunft offensteht, zu sein, stünden an Fachhochschulen aber nach wie vor gut: Viele Standorte befinden sich außerhalb der Ballungszentren, und die berufsbegleitenden Studien sind nachweislich besonders attraktiv für Späteinsteiger, die einen zweiten Bildungsweg anstreben.

Die Studiendauer ist im Schnitt kürzer und mit einem klaren Berufsbild verknüpft. Oft gibt es Kooperationen mit Unternehmen und viele Veranstaltungen, bei denen sich Interessierte über die Studienmöglichkeiten informieren können. Wo liegen also die Gründe dafür, dass es nicht wirklich klappen will mit bunten Hintergründen? Helmut Dornmayr vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft sieht zu hohe Hürden: Aufnahmeverfahren, aber auch eine Art Angst und Sorge, dass die Allgemeinbildung für ein Studium nicht ausreicht.

Einen "Anerkennungsmissstand" attestiert auch das Institut für Jugendkulturforschung: Jeder zweite Lehrling sei der Auffassung, dass ihm im Alltag weit weniger Respekt entgegengebracht wird als Maturanten und Akademikern. Und schließlich spielt auch das Geld eine Rolle: Etwa ein Viertel gibt an, finanzielle Schwierigkeiten zu haben – auch unter jenen, die Beihilfen beziehen. (Lara Hagen, 3./4.12.2016)

  • Die Durchlässigkeit an den Fachhochschulen könnte noch verbessert werden.

    Die Durchlässigkeit an den Fachhochschulen könnte noch verbessert werden.

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