Lufthansa legt Pilotengewerkschaft neues Tarifangebot vor

30. November 2016, 15:54
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Vergütungsplus von 4,4 Prozent angeboten – Mehr Gehalt ohne weitere Bedingungen zu offenen Punkten im komplizierten Konflikt – Cockpit-Gremien prüfen Angebot

Frankfurt – Das Tauziehen zwischen Lufthansa und Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit geht in die nächste Runde: Die Fluggesellschaft legte am Mittwoch ein neues Angebot vor. Die Vergütung der Piloten könne in zwei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent steigen, zudem werde eine Einmalzahlung angeboten, teilte Lufthansa mit. Der Vorschlag sei "nicht an weitere Bedingungen geknüpft".

Cockpit reagierte zunächst zurückhaltend. Das Angebot sieht vor, dass die Vergütung in diesem Jahr um 2,4 Prozent steigt und im nächsten Jahr um weitere 2,0 Prozent. Bereits am Freitag hatte die AUA-Mutter Lufthansa eine Lohnerhöhung um 4,4 Prozent und eine Einmalzahlung von 1,8 Monatsgehältern angeboten. Dies war allerdings eingebettet in einen Gesamtvorschlag zu verschiedenen offenen Punkten in dem komplizierten Tarifkonflikt. Damals hieß es, die Anhebung würde ermöglicht, weil es "an anderer Stelle" zu Einsparungen käme.

Das neueste Angebot wurde der Gewerkschaft laut Lufthansa am Dienstagabend übermittelt. Mit dem Vorschlag zur Tariferhöhung ohne weitere Bedingungen werde "auf eine zentrale Forderung" der Vereinigung Cockpit eingegangen, betonte die Fluggesellschaft. "Wir wollen schnellstmöglich an den Verhandlungstisch zurückkehren", erklärte Personalvorstand Bettina Volkens. Das Unternehmen stehe bereit, um eine Schlichtung einzuleiten.

Angebot wird geprüft

Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Gremien der Gewerkschaft müssten das Angebot zunächst prüfen, bevor eine Entscheidung getroffen werde. Ob diese noch am Mittwoch falle, sei unklar.

Die Vereinigung Cockpit hatte nach gescheiterten Verhandlungen über die Vergütung der Piloten der Lufthansa, der Frachttochter Lufthansa Cargo und der Billigtochter Germanwings in der vergangenen Woche wieder zu Streiks im Kerngeschäft der Airline aufgerufen. An sechs Streiktagen bis einschließlich Mittwoch fielen knapp 4.500 Flüge aus; mehr als eine halbe Million Passagiere mussten umplanen.

Die "Bild"-Zeitung berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Unternehmenskreise, es gebe Rückmeldungen aus dem Management, wonach die Buchungszahlen durch den Streik "deutlich spürbar" zurückgingen. Ein Lufthansa-Sprecher sagte dagegen, es sei "noch zu früh für verlässliche Aussagen" zu Buchungsrückgängen.

Gesunkene Auslastung

Die Zeitung zitierte zugleich aus einem Schreiben der Gewerkschaft an ihre Mitglieder, wonach die Auslastung der trotz Streiks durchgeführten Langstreckenflüge erheblich gesunken sei. Die Auslastung liege zum Teil bei weniger als zehn Prozent. Diese Darstellung der Gewerkschaft wies die Fluggesellschaft zurück.

Der zähe Tarifstreit mit Cockpit hat der Lufthansa bereits millionenschwere Kosten verursacht. Jeder Streiktag kostet die Lufthansa nach Angaben des Sprechers zwischen 10 und 15 Mio. Euro. In den Jahren 2014 und 2015 liefen bereits Kosten in Höhe von 351 Mio. Euro durch die Pilotenstreiks auf. (APA, 30.11.2016)

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