Gewerkschaft tobt: Do & Co entlässt 122 Köche in der Türkei

30. November 2016, 12:58
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Do & Co: Schwierige wirtschaftliche Lage bei Kunde Turkish Airlines

Ankara/Wien – Zwischen der Verkehrsgewerkschaft Vida und dem Caterer Do & Co fliegen wieder die Fetzen. In einer Presseaussendung warf die Vida Do-&-Co-Chef Attila Dogudan am Mittwoch vor, 122 fliegende Köche in der Türkei "gefeuert" zu haben, weil diese gewerkschaftlich aktiv geworden seien. Do & Co verwies in einer ersten Reaktion auf die schwierige wirtschaftliche Lage für den Kunden Turkish Airlines.

Dass die Kündigungen aufgrund von Überkapazitäten erfolgt seien, bestreitet jedoch die Vida. Vielmehr seien die Gekündigten "postwendend" durch neues Personal ersetzt worden. "Damit ist ihre Kündigung wohl nur eine fadenscheinige Ausrede, um sie möglichst schnell loszuwerden. Und zwar offenbar nur, weil sie gewerkschaftlich tätig waren", empören sich Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt, und Berend Tusch, Vorsitzender des Vida-Fachbereichs Tourismus. Die alleinige Verantwortung für die Vorgangsweise liege bei Dogudan.

"Skandal"

"Die Firmenzentrale von Do & Co ist in Wien, es kann nicht sein, dass ein international agierender österreichischer Konzern die Rechte von Beschäftigten mit Füßen tritt. Dieses Verhalten ist ein Skandal", kritsiert Schwarcz. Tusch ergänzt: "Das ist ein ganz mieser Versuch, Beschäftigte einzuschüchtern nach dem Motto 'Wer sich auflehnt, der fliegt'." Beide fordern, dass die Gekündigten wiedereingestellt werden.

Die Türkei ist einer der wichtigsten Märkte des Cateringunternehmens, Dogudan selbst hat türkische Wurzeln. Im ersten Halbjahr ging der Umsatz in der Türkei durch die Abwertung der Lira um 2,7 Prozent zurück. Insgesamt hat der Konzern im ersten Halbjahr einen Gewinn von 15,2 Millionen Euro erzielt.

Streit schon in Vergangenheit

Bereits in der Vergangenheit haben Do & Co und Vida einander Scharmützel geliefert. Dabei ging es um die ungarischen Beschäftigten, die für die Caterer-Tochter Henry am Zug arbeiteten – und nach ungarischem Arbeitsvertrag beschäftigt waren, obwohl sie in ÖBB-Zügen fuhren. Nachdem Do & Co deswegen Probleme mit dem Arbeitsinspektorat bekommen hatte, entschloss sich der Konzern, den Vertrag mit den ÖBB vorzeitig zu kündigen. Letzten Meldungen zufolge wollen die ÖBB den Caterer aber nicht ziehen lassen, bevor Ersatz gefunden wurde.

Ein Zugbegleiter bekommt laut Homepage von Henry am Zug rund 1.400 Euro brutto im Monat für 40 Stunden die Woche. Die Entlohnung erfolgt nach dem Kollektivvertrag für Arbeiter im Gastgewerbe. Die ungarischen Zugbegleiter, die inzwischen nicht mehr beschäftigt werden, erhielten laut Vida im Schnitt 500 Euro im Monat. (APA, 30.11.2016)

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