Vorarlberger ORF-Chef holt sich Künstler als Kurator ins Haus

30. November 2016, 14:08
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Überraschend: Harald Gfader wird künftig statt Kulturredakteurin Carina Jielg die Ausstellungen "Kunst im Funkhaus" kuratieren

Dornbirn – Das Verhältnis zwischen ORF-Landesdirektor Markus Klement und der Kulturredaktion ist empfindlich abgekühlt. Nach eigenhändiger Entsorgung einer Bibliothek, der Entfernung einer Kunstinstallation mit Hilfe der Feuerwehr, setzte Klement einen weiteren Akt, der Redakteurinnen und Redakteure empört.

Ohne Vorgespräche verabschiedete er Kulturredakteurin Carina Jielg als Kuratorin von "Kunst im Funkhaus". Ab April wird Harald Gfader, den Klement in seiner Presseaussendung als "einen der interessantesten Künstler Vorarlbergs" bezeichnet, die Ausstellungen kuratieren.

Kritische Kunst und Zensur

Carina Jielg (45) hatte jungen, kritischen Kunstschaffenden mit den Ausstellungen im Funkhaus ein Podium geboten, nicht alles war im Sinne des Landesdirektors. So ließ er 2015 eine Skulptur von Mathias Klien nicht zu, begründete das mit Sicherheitsbedenken. Als Klien mit einer Installation gegen die Zensur reagierte, rief Klement die Feuerwehr zu Hilfe und ließ die Installation abbauen, was ORF-Publikumsrätin und Rektorin Eva Blimlinger zu einer Beschwerde veranlasste.

Blimlinger appellierte damals an ORF-General Wrabetz dafür zu sorgen, dass Carina Jielg weiter Ausstellungen im Landesstudio kuratieren kann und nicht "einer der zahlreichen willkürlichen Personalentscheidungen des Direktors zum Opfer fällt".

Künstler als Kurator

Erfahren hat Jielg von der Entscheidung des Chefs, als sie Klement zusammen mit Kulturkoordinatorin Jasmin Ölz das Programm für 2017 präsentieren wollte. "Dazu ist es erst gar nicht gekommen, denn Landesdirektor Klement hat uns in aller Kürze vor vollendete Tatsachen gestellt", schreibt Ölz in einer Aussendung. Klement habe seinen Mitarbeiterinnen kurz und bündig mitgeteilt, dass künftig Gfader kuratieren werde.

Was die Redakteurinnen besonders stört: Es gab keine Vorgespräche, keine Diskussionen über mögliche Kuratoren oder Kuratorinnen. Und: "Letztlich fragen wir uns auch, ob es Sinn macht, die Kuratorentätigkeit im öffentlich-rechtlichen ORF- Landesfunkhaus Vorarlberg einem Künstler und Galeristen zu übertragen."

Klement will zu seiner Personalentscheidung nicht Stellung nehmen. Harald Gfader (56) versteht die Aufregung nicht: "Interessiert das jetzt, weil ein Mann eine Frau abgelöst hat?" Er sei von Klement eingeladen worden, ein Konzept abzugeben, sagte er zum STANDARD. Das habe er gemacht. Nun sei er halt für fünf Jahre Kurator, "bis zur Pension werde ich das nicht machen".

Vermittlung als Kunstform

Die Kritik, ein Künstler suche nun Künstler aus, lässt er nicht gelten: "Auch in den Kunstkommissionen und Jurys sitzen Künstler." Gfader sieht sich weniger als Kurator denn als Vermittler. "Ich vermittle Kunst aus Sicht des Künstlers, die Vermittlung sehe ich als eigene Kunstform."

Er möchte "Dialog und Diskurs über alle medialen Sparten" und dadurch "die regionalen wertespezifischen Grundprinzipien so breit wie möglich der Vorarlberger Gesellschaft zukommen lassen".

Was er damit meint, wird Gfader ab April 2017 im Funkhaus offenbaren. (Jutta Berger, 30.11.2016)

  • Markus Klement (re) freut sich über Künstler Harald Gfader.
    foto: orf

    Markus Klement (re) freut sich über Künstler Harald Gfader.

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