Schulautonomie: Kritik von Elternvereinen

30. November 2016, 15:02
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Der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen befürchtet das Ende der Schuldemokratie

Derzeit wird das Schulautonomiepaket von der ÖVP noch geprüft. Die Liste der Kritiker wird aber immer länger. Nun hat sich auch der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen zu Wort gemeldet.

Hauptkritikpunkt der Eltern ist der Umstand, dass künftig der Direktor beziehungsweise Leiter der neugeschaffenen Schulcluster mit bis zu acht gemeinsam verwalteten Schulen die Klassen- und Gruppengrößen vorgeben kann. Derzeit ist dafür – bei Kostenneutralität – eine Entscheidung der Schulpartner (an mittleren und höheren Schulen Eltern, Schüler und Lehrer) nötig. "Wir rechnen damit, dass es da keine Qualitätsverbesserung geben wird", sagt Gernot Schreyer, Präsident des Bundesverbands der Elternvereine an den mittleren und höheren Schulen. Schließlich werde nicht mehr Geld zur Verfügung stehen.

Gegen Verschiebung von Lehrern an Brennpunktschulen

Einwände haben die Elternvertreter auch gegen die Schulcluster selbst, mit denen mehrere Schulen unter einer gemeinsamen Leitung zur Koordinierung des pädagogischen Angebots zusammengefasst werden können. "Eigentlich zieht man damit nur eine zusätzliche Führungsebene ein, weil es weiter Bereichsleiter geben wird", so Schreyer. Zusätzliches Unterstützungspersonal gebe es nur durch Umschichtung von Lehrpersonal.

Ein Dorn im Auge ist Schreyer weiters, dass im Autonomiepaket eine "umfangreiche Datensammelaktion" festgelegt sei – offenbar für den geplanten Sozialindex. Diesen lehnen die Elternvertreter ab, weil kein zusätzliches Geld zur Verfügung gestellt werden soll. "Wir haben nichts gegen mehr Personal an Brennpunktschulen", sagt Schreyer, "aber nicht zulasten von Standorten, an denen es keine Probleme gibt."

Auch Lehrer fürchten um Mitbestimmung

Ähnlich lautet die Kritik der Gewerkschaft der Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen. Auch sie bemängeln eine "Degradierung der Schulpartner". Den Mitgliedern der schulpartnerschaftlichen Gremien – Eltern-, Lehrer- und Schülervertreter –würden "zentrale Entscheidungsbefugnisse genommen und dafür neue Gremien geschaffen, die nur noch beratend tätig werden können". Abgelehnt wird auch "die Zentralisierung der Bestellung von Schulleitungen und damit das Zurückdrängen vorhandener Mitbestimmungen der Lehrerinnen und Lehrer", heißt es in einer Resolution. (APA, red, 30.11.2016)

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