Was Pferde fressen, ist ihnen ins Schweifhaar eingeschrieben

8. Dezember 2016, 07:30
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Wiener Forscher untersuchen Nahrungskonkurrenz zwischen dem Przewalski-Wildpferden, Hauspferden und Wildeseln

Wien – Das erfolgreich in der Wüste Gobi ausgewilderte Przewalski-Wildpferd teilt sich seine Weidegründe mit Wildeseln und freilaufenden Hauspferden. Begrenztes Nahrungsangebot kann bei gleicher Nahrungswahl daher zu Futterkonkurrenz führen. Um festzustellen, was die Tiere fressen, muss man sich jedoch nicht auf langwierige Beobachtungen verlassen: Wissenschaftern der Vetmeduni Vienna ist es gelungen, die jahreszeitlichen Ernährungsgewohnheiten der drei Pferdearten aus ihrem Schweifhaar herauszulesen.

In freier Wildbahn waren Przewalski-Wildpferde seit 1968 ausgestorben. Dank erfolgreicher Zuchtprogramme internationaler Zoos werden die Tiere allerdings seit 1992 im Südwesten der Mongolei im Schutzgebiet "Great Gobi B" wieder ausgewildert. Den kargen Lebensraum in der Wüste Gobi teilen sich die Wildpferde mit zwei weiteren Pferdearten, dem asiatischen Wildesel, von den Einheimischen "Khulan" genannt, und den freilaufenden Hauspferden der ansässigen Nomaden. Für den Erhalt der Wildpferde ist es deshalb wichtig zu verstehen, ob und wie die drei nahe verwandten Tiere im Schutzgebiet um Nahrung konkurrieren.

Hohe Konkurrenz im Winter

Martina Burnik Šturm und Petra Kaczensky vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna machten sich in Zusammenarbeit mit dem Leibnitz Institut für Zoo und Wildtierkunde in Berlin eine Methode zur Erforschung der Nahrungsgewohnheiten zu Nutze, die auf einer chemischen Analyse von Schweifhaaren beruht. Damit entschlüsselten sie die Zusammensetzung der Nahrung der jeweiligen drei Pferdearten und entdeckten eine erhöhte Konkurrenzsituation in den Wintermonaten.

Die chemische Analyse der Haarproben zeigte, dass Przewalski-Wildpferde und Hauspferde das ganze Jahr über vorwiegend Gras fressen. Die Khulane steigen dagegen von Gras im Sommer, auf einen hohen Laubanteil im Winter um. "Wenn die Nahrung in den langen Wintermonaten knapp wird, kann man davon ausgehen, dass sich vor allem die beiden Pferdearten Konkurrenz machen", erklärt Burnik Šturm.

Im Sommer ist das Nahrungsangebot vergleichsweise hoch und zudem verlassen die lokalen Nomaden die Gobi und ziehen mit ihren Hauspferden auf die Hochweiden der umliegenden Bergen. "Die Przewalski-Wildpferde grasen in der heißen Zeit bevorzugt in der Nähe von Wasserstellen. Die Khulane suchen dagegen auch Weiden fern von Wasserstellen auf, weil sie einen effizienteren Wasserhaushalt haben. Somit ist im Sommer das Potenzial für Weidekonkurrenz zwischen den drei Arten im Schutzgebiet "Great Gobi B" vergleichsweise gering", meint Kaczensky.

Chemische Analyse

Bei der von Burnik Šturm und Kaczensky verwendeten chemischen Analyse werden sogenannte Stabile Isotope in den Schweifhaaren gemessen. "Die lsotopenverhältnisse im Körpergewebe von Lebewesen sind eine Folge der lsotopenverhältnisse in der Umgebung und des eigenen Stoffwechsels.", erklärt Burnik Šturm. Gräser und Sträucher der Wüste Gobi unterscheiden sich im Verhältnis ihrer Kohlenstoffisotopen und lassen somit eine Unterscheidung zwischen Gras- und Laubfresser zu. In gleichmäßig wachsenden Haaren, wie den Schweifhaaren von Pferden, werden die Isotopenverhältnisse zum Zeitpunkt des Wachstums zudem wie in einem Archiv festgehalten. Je länger das Haar, umso weiter zurück in die Vergangenheit kann man schauen. (red, 8.12.2016)

  • Die ausgewilderten Przewalski-Pferde in der Wüste Gobi fressen genauso wie die mit ihnen verwandten Hauspferde das ganze Jahr über Gras.
    foto: martina burnik šturm/vetmeduni vienna

    Die ausgewilderten Przewalski-Pferde in der Wüste Gobi fressen genauso wie die mit ihnen verwandten Hauspferde das ganze Jahr über Gras.

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