Neuer Sensor lässt ins Innere von Schneelawinen blicken

4. Dezember 2016, 20:40
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70 Kilogramm schweres Messgerät soll im Wallis die Schneedichte von Lawinen erfassen

Bochum – Ein internationales Forscherteam hat einen Chip entwickelt, der Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen gewähren soll. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. "Was genau passiert, wenn sich eine Lawine den Berg hinunterbewegt, weiß man nicht, da man sie bislang nur von außen beobachtet hat", sagt Christoph Baer von der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Das gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos entwickelte Projekt könnte dazu beitragen, dass bessere Vorrichtungen zum Abwehren von Lawinen entstehen.

Auf die Schneedichte kommt es an

Grundsätzlich ist bereits bekannt, dass Lawinen aus mehreren Schichten bestehen, die sich wie Festkörper, Flüssigkeiten oder staubhaltige Gase verhalten. Der neue Sensor erfasst Variationen der Schneedichte in der Staubschicht. Die Dichte hat unter anderem Auswirkungen auf den Aufpralldruck der Lawine, welcher maßgeblich für ihre Zerstörungskraft ist. Nur wenn die Schneedichte bekannt ist, lässt sich das Lawinengeschehen korrekt strömungsmechanisch simulieren.

Mittels Radar erfasst das Bochumer System, wie viele Schneepartikel sich in der Staubschicht befinden. Je mehr Schnee enthalten ist, desto langsamer breitet sich die Radarwelle aus. So können die Forscher Rückschlüsse auf die Schneedichte ziehen und diese in Echtzeit aufzeichnen.

Enorme Kräfte

Der Sensor besteht aus Flugzeugaluminium, da er während der Messung den enormen Kräften der Lawine standhalten muss. Er ist etwa einen Meter lang, 30 Zentimeter dick und wiegt 70 Kilogramm. Eine Lawine hat einen Aufpralldruck von bis zu sechs Bar. "Das entspricht einem Druck von 3,5 Tonnen – also zwei Autos – auf die Fläche eines DIN-A4-Blattes", veranschaulicht Baer. "Sie rollt direkt über unseren Sensor. Es ist eine Herausforderung, dass er an dem Testmast hängenbleibt und brauchbare Messergebnisse liefert."

Nun heißte es Warten auf den Neuschnee. Das Team vom Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung rechnet allerdings damit, dass es im abgesperrten Testgebiet Vallée de la Sionne noch heuer schneien wird. Sollte dort nicht von selbst eine Lawine abgehen, wird sie am Ende des Winters durch eine kontrollierte Sprengung ausgelöst. (red, 4.12.2016)

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