Frühere Air-France-Mitarbeiter nach Angriff auf Manager verurteilt

30. November 2016, 15:01
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Vorfall mit zerrissenen Hemden hatte 2015 für Schlagzeilen gesorgt

Paris – Die Bilder von fliehenden Air-France-Managern in zerrissenen Hemden gingen 2015 um die Welt: Wegen des aufsehenerregenden Angriffs auf Konzernverantwortliche sind nun drei frühere Mitarbeiter der französischen Fluggesellschaft zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Das Strafgericht der Pariser Vorstadt Bobigny verhängte am Mittwoch Gefängnisstrafen zwischen drei und vier Monaten auf Bewährung gegen die Gewerkschaftsaktivisten. Zwei Angeklagte wurden vom Vorwurf der Gewaltanwendung freigesprochen. Zehn weitere Beschuldigte wurden wegen Sachbeschädigung zu Geldstrafen von 500 Euro verurteilt.

Bei Protesten gegen einen neuen Air-France-Sparplan im Oktober 2015 hatten rund hundert Mitarbeiter ein Treffen von Betriebsrat und Konzernführung gestürmt. Dabei wurden der damalige Personalvorstand Xavier Broseta und der Chef der Langstreckensparte, Pierre Plissonnier, heftig angegangen. Die beiden Manager mussten sich mit zerrissenen Hemden über einen Zaun retten, der Vorfall sorgte weltweit für Schlagzeilen.

Prozess gegen 15 Angeklagte

Wegen der gewaltsamen Protestaktion wurde in Bobigny 15 Angeklagten der Prozess gemacht, von denen Air France mehrere bereits entlassen hat. Fünf Männern wurde vorgeworfen, die beiden Manager attackiert zu haben. Die zehn anderen Angeklagten mussten sich dafür verantworten, bei der Protestaktion das Eingangstor zum Sitz der Fluggesellschaft in Roissy bei Paris beschädigt zu haben. Sie wurden jetzt zu Geldstrafen verurteilt.

Eine Anwältin der Angeklagten sprach am Mittwoch von "skandalösen" Urteilen. Sie werde ihren Mandanten empfehlen, Berufung einzulegen, sagte Lilia Mhissen. Die Gewerkschaft CGT, deren Aktivisten hinter den Protesten standen, sprach von einem "politischen Urteil". Die Justiz habe sich "auf die Seite der Mächtigen" gestellt.

Air France dagegen zeigte sich in einer Erklärung "zufrieden" über die Urteile. "Diese Entscheidung erlaubt es, diesen traurigen Vorfall abzuschließen."

Der Angriff auf die Air-France-Manager wurde 2015 unter anderem in ausländischen Medien als Beweis dafür angeführt, wie hart Arbeitskämpfe in Frankreich geführt werden. Die um das Ansehen des Wirtschaftsstandorts Frankreich besorgte sozialistische Regierung verurteilte die Attacke damals scharf. (APA, 30.11.2016)

  • Zerrissenes Hemd, wütende Mitarbeiter – jetzt gibt es ein Urteil.
    foto: afp photo / kenzo tribouillard

    Zerrissenes Hemd, wütende Mitarbeiter – jetzt gibt es ein Urteil.

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