Privater Mondrover soll Überreste der Apollo-17-Mission besuchen

30. November 2016, 12:10
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Berliner Team beauftragt US-Unternehmen Spaceflight mit Organisation eines Transports in den Orbit

foto: nasa's goddard space flight center
2011 schoss die Nasa-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) diese Aufnahme von der Landezone von Apollo 17.

Wien/Berlin – Ein von dem Internetkonzern Google ausgeschriebener Preis stachelt zahlreiche Unternehmen zu ehrgeizigen Raumfahrtprojekten an. Nun hat die Berliner Firma PTScientists mit dem US-Unternehmen Spaceflight einen Start-Vertrag für den Flug zum Mond unterzeichnet. Das Team mit österreichischer Beteiligung will frühestens Ende 2017 das erste private Fahrzeug auf dem Mond fahren lassen – und dabei auch dem historischen Landeplatz der Apollo 17-Mission einen Besuch abstatten.

Der Wettbewerb "Google Lunar X-Price" (GLXP) verspricht jenem Team, dessen Mondfahrzeug 500 Meter auf dem Erdtrabanten zurücklegt, 30 Millionen US-Dollar Preisgeld. Voraussetzung ist, dass zumindest 90 Prozent der Mondlandung aus privaten Mitteln finanziert wird. Seit 2008 arbeiten die "Part Time Scientists" an dem Projekt, anfangs noch als Verein, mittlerweile als von Audi unterstütztes Unternehmen mit zwölf Vollzeit- und deutlich mehr "Teilzeitforschern", wobei das Team zu etwa 50 Prozent aus Österreichern besteht.

Bis Ende des Jahres müssen die 16 noch im GLXP-Rennen befindlichen Teams eine Startvereinbarung vorlegen, um weitermachen zu können. Man habe sich für den Broker Spaceflight Inc. entschieden, um flexibel zu sein, sagte der aus Österreich stammende technische Leiter der PTScientists, Jürgen Brandner. Es handle sich dabei quasi um ein Reisebüro für Weltraumflüge, das die günstigste Startmöglichkeit suche. Man sei mit der Vereinbarung dem Ziel, die erste private Mondmission zu realisieren, einen Riesenschritt näher gekommen. Das Startfenster beginnt laut Brandner im Dezember 2017 und reicht bis weit in das Jahr 2018 hinein.

illustr.: audi
Die Hochglanz-Illustrationen von Sponsorpartner Audi geben einen Eindruck, wie der fertige PTScientists-Rover aussehen soll.

Besuch bei Apollo 17

Als Landeplatz am Mond hat das Unternehmen das Taurus-Littrow-Tal ausgewählt, das auch Ziel der Apollo 17-Mission im Dezember 1972 und damit der bisher letzte Platz war, an dem Menschen den Mond betreten haben. Man wolle allerdings mindestens in drei Kilometer Entfernung vom Apollo-Landeplatz aufsetzen, um keine historischen Spuren zu zerstören, sagte Brandner. Auf dem Landeplatz stehen nach wie vor u.a. der Unterbau der Landefähre und das Mondauto (LRV). Mit diesem Lunar Roving Vehicle legten die Astronauten Gene Cernan und Harrison Schmitt mehr als 30 Kilometer auf der Mondoberfläche zurück und hinterließen dabei zahlreiche Reifenspuren.

Die PTScientists hoffen, mit ihrem einen Meter langen, 75 Zentimeter breiten und etwa 60 Zentimeter hohen Rover mit einer Masse von 30 Kilogramm in die Nähe dieser historischen Apollo-Reste zu kommen und Fotos machen zu können. Zwei dieser Fahrzeuge namens Audi lunar quattro sollen mit der etwa 210 Kilogramm schweren Landeeinheit Alina (Autonomous Landing and Navigation Module) auf dem Mond abgesetzt werden.

illustr.: pt scientists
Die Landeinheit Alina soll den 30 Kilogramm schweren Rover sicher auf die Mondoberfläche bringen.

Fünf Tage bis zum Mond

Alina kann eine Nutzlast mit einer Masse von bis zu 100 Kilogramm bis zum Mond transportieren. "Hilfe" braucht die Landeeinheit dabei nur beim Start von der Erde, ab einer Höhe von 35.000 Kilometern erledigt sie die restliche, fünftägige Reise zum Mond autonom.

Die PTScientists wollen in ihrem Unternehmen über den Wettbewerb hinaus "zukunftsträchtige Produkte" für die private Raumfahrt entwickeln. Es gehe vor allem darum, eine günstige Plattform für Forschungseinrichtungen oder kleinere Unternehmen zu bieten, damit diese Technologie auf den Mond bringen können, so Brandner. Das System sei aber so vielseitig, dass man es in einer Konfiguration auch bis zum Marsmond Phobos schaffen könnte. "Wir stellen hier ernsthafte Überlegungen für Folgemissionen an", sagte Brandner. (APA, red, 30.11.2016)

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