Im Privatsenderverband arbeiten nicht alle gegen ORF-Gebührenerhöhung

30. November 2016, 06:30
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VÖP-Mitglied W24 findet "Ton und Art der Auseinandersetzung nicht angebracht"

Wien – Von wegen Echokammer Facebook: Mit Widerspruch ist gar aus den eigenen Reihen zu rechnen – zeigt Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Privatsenderverbandes VÖP. Eines ihrer Mitglieder erinnerte sie gerade via Facebook-Post, dass es die Forderungen des VÖP zu den ORF-Gebühren nicht mitträgt. Nachsatz: "Wir bitten, das ernst zu nehmen!"

Der kleine (weitere) Spaltpilz unter den in Österreich tätigen Privatsendern kam so ans Licht: Der VÖP argumentierte Dienstag neuerlich, nun aber mit deutlich mehr und aus dem ORF stammenden Zahlen von Genrekosten bis Publikumsvermissen unterfüttert, warum der ORF aus Verbandssicht keine Gebührenerhöhung braucht.

"Lobbyingverband deutscher Privatsender"

Die ORF-Reaktion wirkte eher genervt bis gereizt als an der sachlichen Auseinandersetzung mit den Vorstellungen des VÖP interessiert. Brutto- und Nettowerbezahlen unterscheidet der ORF in solchen Debatten etwa grundsätzlich ungern. Sachlich etwa noch: Man verwende keine Gebühren, sondern Werbung für Programmeinkäufe im Ausland, und hohe Quoten bestätigten die Beliebtheit des ORF. Die große Argumentationslinie aber, noch in ihrer freundlichsten Formulierung: "ein Lobbyingverband der deutschen Privatsender in Österreich".

ATV hat sich etwa aus dem Verband mit der Erklärung verabschiedet, man sehe im VÖP vor allem Interessen deutscher Fernsehkonzerne mit Programmfenstern, Werbefenstern und Programmen für Österreich vertreten (und nicht jene der österreichischen ATV-Sender im Besitz der Tele München Gruppe, die wiederum noch bis zu seinem 70er Ende 2017 der Wiener Herbert Kloiber senior kontrolliert).

Kettenreaktion

Reaktionen wie jene des ORF fordern Gegenreaktionen heraus. Der VÖP also, neben Sächlichem: "Falsch ist ferner die Behauptung, der VÖP sei ein Lobbyverband deutscher Sender: Vier von insgesamt 17 TV-Mitgliedern sind Fenstersender." Die TV-Anbieter hätten nur "zehn Prozent der im VÖP vertretenen Stimmrechtsanteile".

VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm postete die Ketten-Reaktion auch auf Facebook. ORF-Sprecher Martin Biedermann konnte sich nicht verkneifen, die VÖP-Übersicht der nationalen TV-Sender dazuzustellen – neben Servus noch Sky sowie ProSieben, Sat.1 und Puls 4 aus der gleichnamigen Sendergruppe plus deren Sixx.

"Unterstützen hier die Linie des VÖP nicht"

Drum antwortete mit der Übersicht der elf regionalen Mitgliedssender von BTV bis W24 und WT1. Da freilich schaltete sich Marcin Kotlowski ein, Geschäftsführer von W24 im Besitz der stadteigenen Wien Holding: "Wir haben uns diesem Punkt nicht angeschlossen! Bitte das ernst zu nehmen."

Kotlowski auf Nachfrage des STANDARD, ob er die Forderungen des VÖP zu den ORF-Gebühren nicht mitträgt: "Ja, wir halten den Ton und die Art und Weise der Auseinandersetzung für nicht angebracht, deshalb unterstützen wir hier die Linie des VÖP nicht." (fid, 30.11.2016)

  • Marcin Kotlowski, Geschäftsführer von W24, distanziert sich vom VÖP.
    foto: apa/w24

    Marcin Kotlowski, Geschäftsführer von W24, distanziert sich vom VÖP.

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